23.01.2018Schlaglicht

BVK gegen Deckelung der LV-Provision, VDVM ist uneins

Von VW-RedaktionVW heute
Die Bafin ist kein Lautsprecher. Sie soll die Finanzindustrie effektiv, aber leise überwachen. Ein wenig aus der Rolle fiel das letzte Rundschreiben, in dem ein Provisionsdeckel in der Lebensversicherung angedeutet wurde. Welche Auswirkungen eine Begrenzung auf den Vertrieb hätte, hat VWheute den VDVM sowie den BVK gefragt und Gegensätzliches erfahren.
Keine Panik Versicherungskaufleute und Makler, noch ist es nur ein Entwurf, den die Bafin auf ihre Webseite gestellt hat. Die Finanzaufseher sammeln Stimmen zum Paper "Hinweise zum Versicherungsvertrieb", möchten eine Diskussion anregen. In besagtem Rundschreiben wird unter anderem das Thema "Fehlanreiz durch Provisionen" angesprochen. Sicher kein Zufall der Bonner.
Dass die Bafin einer Begrenzung der LV-Provisionen eher offen gegenübersteht, dürfte niemanden überraschen, der den mündlichen Beiträgen der höheren Bafin-Repräsentanten in den letzten Monaten aufmerksam lauschte.
Einige Marktteilnehmer rechnen bereits mit einer Begrenzung, beispielsweise Michael Dreibrodt, Vorstandsvorsitzender der My Life Lebensversicherung. Der GDV-Verband hat seine Meinungsbildung zu dem Bafin-Rundschreiben "noch nicht abgeschlossen".
Auch Hans-Georg Jenssen, Geschäftsführender Vorstand des Verbandes Deutscher Versicherungsmakler (VDVM), sagt: "Ein Provisionsdeckel würde ich für wahrscheinlich halten, wenn nicht vorher andere Beteiligte am Markt, ich denke da an die Bafin, eine Regelung zur Begrenzung treffen." Nach seiner Ansicht würde sich die Bafin ein "atmendes System" vorstellen, dass gewisse "Leitplanken" enthält und auch "Kriterien wie Qualität und Quantität" berücksichtigt. Der VDVM würde ein solches System gegenüber einer starren Begrenzung begrüßen. Kommt das "atmende System", sei ein Provisionsdeckel "relativ unwahrscheinlich", ansonsten aber wahrscheinlich.
Für Jenssen ist es wichtig, dass eine Deckelung sachgemäß erfolgt. Als Beispiel führt er die bAV an. Würde dort beispielsweise eine Begrenzung von 10 Promille durchgesetzt werden, könnte zu diesen Sätzen "keiner mehr arbeiten". Beim Thema Grenze kommt es für ihn in der Altersvorsorge auf das Austarieren an, "40 Promille hätten weniger gravierende Auswirkungen als 25 Promille". Womit er sicherlich recht hat. Eine Begrenzung der Provision wäre laut Jenssen für einige Marktteilnehmer äußerst beschwerlich. "Es ist völlig klar, dass jede Deckelung bei Abschlusskosten über 40 Promille teure Vertriebe sehr hart treffen würde."
Die Makler sehen einer Provisionsdeckelung vielleicht nicht gerade entspannt, aber doch ohne Angstzustände entgegen. Ein Obergrenze würde die Makler "hart aber nicht existenziell treffen", erklärt Jenssen. Anders sieht es beim Bundesverband der Versicherungskaufleute (BVK) aus.

Der BVK will keine Deckelung

"Einen Provisionsdeckel lehnen wir grundsätzlich als einen Eingriff in unsere Vergütungen ab". Im Bereich der LV-Provisionen bewege sich das "Niveau einer effektiven Gesamtprovisionsbelastung zwischen 25,1 Promille (Exklusivvertrieb) und 32,1 Promille (Makler)", erklären die Versicherungskaufleute mit Bezug auf eine Studie der Fachhochschule Dortmund.
Zudem hätte ein Provisionsdeckel laut BVK "kaum Auswirkungen für die Stabilisierung der Lebensversicherungen". Bei einer Stabilisierung der LV-Kosten solle die Bafin eher "die Versicherungsunternehmen in die Pflicht nehmen."
Eine Frage nach einer sinnvollen Regelung zwischen Unternehmen und Versicherungskaufleuten blockt der Verband ab: "Wir mögen uns derzeit nicht ausmalen, dass ein Provisionsverbot kommt und werden mit aller Kraft des BVK dagegen arbeiten."

Verheerende Folgen

Der BVK sieht, mit Bezug auf eine weitere Studie, eine ganze Branche im Falle einer Deckelung in Gefahr: "Bis zu 50 Prozent der Vermittler auf dem Markt könnten aufgrund eines Eingriffs in die Provisionshöhe verschwinden." Der BVK befindet sich mit seiner Ablehnung in guter Gesellschaft. GDV-Präsident Wolfgang Weiler erklärte kürzlich: "Ein Provisionsdeckel ist denkbar. Ich hätte aber Zweifel daran, dass es die beste Lösung ist."
Ob das reicht – Bafin (und Eiopa) scheinen fest entschlossen zu sein, die Provisionen zu drücken, egal ob mit einer Obergrenze oder einem "atmenden System." Die Aufseher haben keine schlechten Argumente. Die Renditen sinken ebenso wie die Geldmarkt-Zinsen. Das Einzige, was (weitgehend) gleich bleibt, sind die Provisionen. So in etwa würde wohl eine eingedampfte Begründung der Aufsicht(en) pro Begrenzung aussehen.
Dazu kommt, Versicherungskaufleute haben ein Image-Problem, das ist bei Diskussionen um einen Eingriff in den Berufsstand nie zweckdienlich. Regelmäßig landen die Versicherungskaufleute bei der Wahl zu den unbeliebtesten Berufen ganz vorne – auch wenn viele Menschen ihren eigenen Vertreter laut Umfragen durchaus schätzen.
Würde sich die Politik schützend vor die (vermeintlich) ungeliebten Vertreter stellen, um einen Vertreter eines als gierig verschrienen Finanzsystems zu schützen oder der Ansicht der Bafin folgen?
Diese Frage wird letztlich wohl die Frage nach der Deckelung entscheiden. (vwh/mv)
Bildquelle: S. Hofschlaeger / www.pixelio.de / PIXELIO
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