Politik & Regulierung

Auffahrunfall – nicht immer ist der Auffahrende schuld

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das kennt jeder Autofahrer: Das vorausfahrende Auto bremst abrupt und man muss voll in die Eisen gehen, um einen Auffahrunfall zu vermeiden – oft reicht es auch nicht. Wer haftet in einem solchen Fall, in aller Regel der Auffahrende, aber eben nicht immer. Das Oberlandesgerichts Oldenburg macht Autofahrern nun mit einem aktuellen Urteil Mut (Az.: 1 U 60/17).
In einem Fall in Aurich, Niedersachsen, hatte ein Mann stark gebremst und bog dann ab, ohne Lichtzeichen. Die beiden Nachfolgenden konnten rechtzeitig bremsen, der Dritte war zu spät dran und es kam zum Auffahrunfall.
Das Gericht urteilte, dass der Auffahrende zwei Drittel der Verschuldensanteile tragen muss, der Abbiegende allerdings das andere Drittel begleichen muss. Der Abbremser hätte nach Zeugenaussagen ohne zu blinken abrupt gebremst, offenbar um den hinter ihm Fahrenden für einen Überholversuch zu strafen.
Bestraft für den Auffahrunfall wurden allerdings mit zwei Dritteln des Schadens der ahnungslose Tropf ganz hinten in der Kausalkette sowie der Geschädigte, der das pubertäre Spielchen mit einem Blechschaden bezahlen muss.

Der Fahrer trägt die Verantwortung

Meist werden Auffahrunfälle nicht von einem rachsüchtigen Vorausfahrenden provoziert, sondern durch Unaufmerksamkeit. Das geschieht oft durch Mitfahrern, die den Fahrer ablenken. Laut einem aktuellen Allianz-Unfallforschungs-Bericht fühlen sich 85 Prozent der Fahrer durch Mitfahrer abgelenkt. Jeder dritte Autofahrer berichtet aggressive Stimmung im Auto und zudem wäre Passivtelefonieren ein Sicherheitsrisiko.
"Das Auto ist kein neutraler Ort und kein klinisches Labor, in dem Störfaktoren ausgeschaltet sind. Der Alltag fährt mit, und Gefühle und Stimmung beeinflussen die Fahrerleistung", so Jörg Kubitzki, Unfallforscher am Allianz Zentrum für Technik (AZT).
Aber hier gilt wie beim Auffahrunfall, am Ende ist der Fahrer verantwortlich: "Die Fahrzeugführer müssen sich bewusst sein, dass sie rechtlich die Verantwortung für die Sicherheit tragen. Sie sind es, die für Art und Ausmaß der Aktivitäten aller anderen Personen im Wagen verantwortlich sind." (vwh/mv)
Bildquelle: Petra Bork / www.pixelio.de / Pixelio
Kfz-Versicherer · Gerichtsurteil · Recht
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