Schlaglicht

Versicherer fürchten den "Krieg ohne Regeln"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die globalen Entscheidungsträger blicken derzeit eher mit Sorge auf das Jahr 2018. Auch wenn die Wirtschaft brummt und die Wachstumsaussichten rosig sind, fürchten viele Experten und Entscheidungsträger in diesem Jahr eine weitere Zunahme politische Risiken. Allen voran: Extreme Wetterereignisse und Naturkatastrophen sowie digitale Attacken. Auch das geopolitische Umfeld bereitet vielen Beobachtern derzeit Sorge.
So rechnen laut aktuellem Global Risks Report 2018 des Weltwirtschaftsforums (WEF) rund 59 Prozent der rund 1.000 befragten Experten mit einer Zunahme der weltweiten Risiken. Lediglich sieben Prozent der Befragten rechnen in diesem Jahr mit einem Rückgang. Besonders zu schaffen machen den Experten vor allem die aktuellen geopolitischen Risiken. So erwarten 93 Prozent der Befragten, dass sich die politischen oder wirtschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen den Großmächten verschärfen werden. Weitere 80 Prozent erwarten zudem eine deutliche Zunahme der Risiken, die mit einem Krieg unter Beteiligung einer Großmacht verbunden sind.
Den größten Anlass zur Sorge bereiten den befragten Experten - wie schon 2017 - die Auswirkungen des Klimawandels. Von den 30 globalen Risiken, die die Experten in Bezug auf Wahrscheinlichkeit und Auswirkungen gewichten sollten, wurden alle fünf Umweltrisiken – extreme Wetterereignisse, Verlust der biologischen Vielfalt und Zusammenbruch des Ökosystems, große Naturkatastrophen, vom Menschen verursachte Umweltkatastrophen und das Scheitern von Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel – in beiden Bereichen hoch eingestuft.
Dabei stellen extreme Wetterereignisse laut Umfrage derzeit das größte Einzelrisiko dar. Die Sorge scheint immerhin berechtigt, verzeichneten doch die beiden größten Rückversicherer Munich Re und Swiss Re im vergangenen Jahr einen neuen Rekord bei den Schäden durch Naturkatastrophen.
"Extreme Wetterereignisse wurden hinsichtlich Wahrscheinlichkeit und Auswirkung erneut als eines der größten globalen Risiken eingestuft. Umweltrisiken und die zunehmende Anfälligkeit für weitere Risiken stellen nun eine ernsthafte Bedrohung für die Grundlagen der meisten unserer Gemeingüter dar. Leider reagieren Regierungen und Organisationen zu wenig und zu spät auf entscheidende Trends wie den Klimawandel. Es ist noch nicht zu spät, um ein belastbareres Morgen zu gestalten, aber wir müssen mit einem stärkeren Gefühl der Dringlichkeit handeln, um einen möglichen Systemzusammenbruch zu vermeiden", betont Alison Martin, Risikochefin der Zurich Versicherung, bei der Vorstellung des aktuellen Reports.

Geopolitik verschärft "Krieg ohne Regeln"

Neben den Unwägbarkeiten der Natur macht den befragten Experten auch die digitale Sicherheit zu schaffen. So hat sich die Zahl der Cyberattacken auf Unternehmen in den letzten fünf Jahren nahezu verdoppelt. Besonders beliebt unter Hackern ist es inzwischen, kritische Infrastrukturen und industrielle Sektoren zu attackieren - mit gravierenden Folgen für die Gesellschaft. Gleichzeitig werten die befragten auch die zunehmende Cyberabhängigkeit als zweitwichtigsten Faktor für die globale Risikolandschaft in den nächsten zehn Jahren.
Dabei scheint die Politik ihr übriges zu tun: "Geopolitische Reibungen tragen dazu bei, dass Cyberangriffe sowohl häufiger als auch komplexer werden. Gleichzeitig nimmt die sogenannte Cyber Exposure, also die digitale Angriffsfläche, zu, da Unternehmen immer stärker von Technologie abhängig sind. Zwar wird das Cyberrisikomanagement immer besser, aber Unternehmen und Regierungen müssen noch wesentlich mehr in Widerstandsfähigkeit investieren, wenn wir verhindern wollen, dass die 'Schutz'-Lücke zwischen wirtschaftlichen und versicherten Schäden genauso groß wird wie bei Naturkatastrophen", erläutert John Drzik, President of Global Risk and Digital bei Marsh.
Internationale Kooperation könnte bei der Lösung der aktuellen Probleme zwar entgegen wirken, aber: "Dies alles geschieht in einer Zeit, in der Nationalismus, Populismus und Protektionismus zunehmen und die Zusammenarbeit zwischen den Ländern abnimmt. Gerade die wäre aber zur Lösung der Probleme wichtig", bemängelt Zurich-Vorstand Martin bei der Vorstellung des Reports.

Unternehmer fürchten Populisten

Vielmehr könnte sich der zunehmende Populismus noch zu einem ernsthaften Problem für die Unternehmen, glaubt auch Katinka Barysch, Director of Political Relations in der Forschungsabteilung der Allianz SE. "Warum ist Populismus eigentlich ein Problem? Historisch gesehen haben populistische Regierungen oft Wirtschaftswachstum und Kapitalmärkte angefeuert, zumindest kurzfristig. Der Preis dafür ist allerdings erhöhte Unsicherheit und Volatilität", betonte die Expertin jüngst im Vorfeld des neuen Allianz Risiko-Barometers 2018.
Denn: "Populisten, die sich ja gerne als die 'Stimme des Volkes" präsentieren, schwächen Gewaltenteilung und Pluralismus. Wenn sie Wahlerfolge erzielen, zersplittert das etablierte Parteiensystem und es wird schwerer, stabile Koalitionen zu bilden, wie wir es zuletzt in Spanien, den Niederlanden und dann auch in Deutschland gesehen haben. Und ihr Faible für einfache Lösungsansätze macht eine tragfähige Wirtschaftspolitik fast unmöglich. Sowohl ihre politischen als auch wirtschaftlichen Ansätze sind riskant für langfristiges Wachstum", glaubt Barysch. (vwh/td)
Bildquelle: Thomas S. / PIXELIO (www.pixelio.de)
Marsh · Risiko · Weltwirtschaftsforum · Global Risks Report
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