Märkte & Vertrieb

Über Plattformen kann man Kunden noch steuern

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Beim Wettbewerb um den Kunden hat die Assekuranz auch im Bereich der Plattformen noch Chancen. Bei dem Thema hätten sich die Versicherer bisher nicht gerade überragend präsentiert, erklärt Stephan C. Maier, Partner und Managing Director der EY Innovalue Management Advisors GmbH. Es war nicht die einzige Erkenntnis einer mit Hochkarätern besetzten Veranstaltung.
"Der Kunde gehört sich selbst und ist schneller weg, als man gucken kann, aber über Plattformen kann man sein Verhalten beeinflussen und Mehrwerte schöpfen. Im Bereich der Mobilitätsplattformen haben die Versicherer das ein stückweit verpennt – vielleicht mit Ausnahme der Huk-Coburg, die schon früh die Bedeutung der Automobilhersteller erkannt hat. Jetzt geht es um andere Themen wie Wohnen oder Rechtsschutz – und das sollte die Assekuranz nicht nochmals verpassen", sagte beim SZ-Versicherungstag 2018 in Bergisch Gladbach.
Die Vergleichsplattform Check24 arbeitet an neuen Mehrwerten für die Kunden. "Wir versuchen, möglichst viel Kundenaktion zu erzeugen, und die Kunden nehmen das auch gerne an", sagte Armin Höll-Steier, Geschäftsführer der Check24 Versicherungsservice GmbH. Über potenzielle Markteintritte von Amazon & Co. sorge man sich nicht, sondern versuche so viele Vorteile wie möglich für sich zu schaffen.
Auch der digitale Makler Simplesurance GmbH will sich breiter aufstellen. "Von der reinen Produktversicherung am Point-of-Sale wollen wir den Kunden an der Wertschöpfungskette weiter entlang begleiten. Dafür haben wir den silver key", behauptete CEO und Gründer Robin von Hein. Über eine eigene Technologie vermittelt Simplesurance bei Online-Käufen inzwischen in 30 Ländern Ausschnittsdeckungen. 2018 werde man erstmals auch in Asien, voraussichtlich Japan, Versicherungen vermitteln, so von Hein.
Das in Malta ansässige Startup Sherpa kündigte seinen Markteintritt in Deutschland für das zweite Quartal 2018 an. "Wir werden keine einzelnen Produkte anbieten, sondern einen Single Account für jeden Kunden", sagte Chris Kaye, CEO und Co-Gründer der Sherpa Management Services Ltd. "Wenn sich das Leben des Kunden ändere, ändere sich auch seine Deckung – und dies ohne Reneval oder Formulare." Beabsichtigt ist eine Art All-Risk-Deckung für Private, welche die Gen Re rückversichert. Die Prämienhöhe des Kunden errechnet sich aus der Risikoeinschätzung auf Basis eines Scorewertes, in den alle Lebensumstände des Kunden einfließen sollen. Zielkunden sollen vor allem Menschen sein, die sich gerade selbstständig machen wollen.
GDV-Präsident Wolfgang Weiler mahnte unter anderem ein Level Playing Field für Insuretechs und weitere Drittanbieter sowie den deutlichen Abbau von Regulierung an. Er warnte davor die Eiopa zu einer weiteren Verbraucherschutzorganisation aufzubauen. "Wir sind dagegen, dass die Eiopa als Behörde ein Eigenleben entwickelt und eigene Richtlinien herausgibt. Sie darf ihre Befugnisse nicht selbst definieren. Das geht nicht in einer Demokratie." Die Branche ermahnte er am Beispiel des negativ in der Öffentlichkeit besetzten "Run-Offs" zu einem sorgfältigeren Umgangs mit Begriffen. "Wer Begriffe besetzt, besetzt auch Positionen", so Weiler. "Da müssen wir stärker drauf achten." (lie)
Bild: Wolfgang Weiler (Quelle: Monika Lier)
Wolfgang Weiler · Sherpa · Robin von Hein · Armin Höll-Steier