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Versicherer nehmen Insurtechs nicht als Bedrohung wahr

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die digitalen Versicherungs-Start-ups scheinen den Branchenheads derzeit kaum mehr Kopfzerbrechen zu bereiten. So glaubt nur ein Drittel der Vorstände und Geschäftsführer deutscher Versicherer, Makler und Assekuradeure, dass die "digitalen Versicherer" eine Zeitenwende einläuten werden. Zudem sehen sich die befragten Manager vor allem sich selbst als wichtigsten Innovationstreiber – trotz Nachholbedarf.
Demnach sehen die 69 befragten Vorstände und Geschäftsführer der deutschen Versicherungsindustrie im Rahmen des 16. EY Innovalue Versicherungsroundtables den Aufbau und Erhalt einer innovativen Unternehmenskultur sowie die Verfügbarkeit gut ausgebildeter Fachkräfte und Talente wichtige Voraussetzungen für Innovationen. Eine moderne Arbeitsumgebung und IT-Infrastruktur oder finanzielle Anreize spielt hingegen nur für eine Minderheit der Führungskräfte eine wesentliche Rolle.
Beim Thema Innovationen selbst scheint die Branche jedoch noch deutlichen Nachholbedarf zu haben. So verneinen laut Umfrage fast 70 Prozent der Manager, dass die eigene Branche innovativ sei. 86 Prozent nennen zudem das Commitment von "oben" als einen der wichtigsten Treiber für Innovationen. Weitere 62 Prozent zählen zudem die Verfügbarkeit von Talenten und gut ausgebildeten Mitarbeitern dazu.

"Großer Realismus in der Branche"

"Die Einschätzung der Branche bezüglich ihres aktuellen Innovationsgrades zeugt von großem Realismus. Und eine entschlossene Führung ist ganz sicher einer der zentralen Erfolgsfaktoren für das Erzeugen von Aufbruchsstimmung in Sachen Innovation. Aber das alleine wird nicht ausreichen, um eine nachhaltige Innovationskultur zu erzeugen", kommentiert Christian Mylius, Managing Partner bei EY Innovalue, die Umfrageergebnisse.
"Gerade für viele junge Talente lassen sich eine veraltete IT-Infrastruktur und eine tradierte Arbeitsumgebung, die teilweise an die Fernsehserie Stromberg erinnert, kaum mit Innovationswillen in Verbindung bringen. Ein Ansatz kann sein, Innovationsteams zumindest temporär räumlich auszulagern oder ihnen mit Hilfe von Kooperationen Zugang zu modernen Arbeitsumfeldern zu ermöglichen", ergänzt Mylius.
Eine große Mehrheit von 78 Prozent legt dafür auch einen besonderen Wert auf den Aufbau und Erhalt einer innovativen Unternehmenskultur. Gleichzeitig legen nur 38 Prozent der befragten Manager besonderen Wert auf eine moderne IT-Infrastruktur, 20 Prozent auf eine moderne Arbeitsumgebung. Lediglich sechs Prozent der befragten Versicherungsmanager legen einen besonderen Wert auf finanzielle Anreize.

Manager erwarten kein "digitales Zeitalter"

Gleichzeitig glaubt nur ein Drittel der Befragten, dass Insurtechs wie Nexible oder Friday ein neues "digitales Zeitalter" einläuten werden. Über 90 Prozent der befragten Manager glaubt laut Umfrage zwar, dass die bessere User Experience einen Mehrwert der digitalen Geschäftsmodelle darstellt. Dennoch betrachten nur zwölf Prozent diese als Bedrohung für ihr bestehendes Geschäft. Moderne, innovative Produkte, flexible IT-Plattformen, innovatives Pricing, kreative Arbeitsmethoden und eine moderne Unternehmenskultur sind ebenfalls nur aus Sicht einer Minderheit Vorteile dieser Ansätze.
"Die von einigen Gründern zu Beginn forsch postulierte Disruption ist bisher nicht eingetreten, vor allem aus Sicht der Versicherer. Zudem weiß man auf den Vorstandsetagen mittlerweile ziemlich genau, womit man es zu tun hat. So sind Faszination und Angst einer gewissen Beruhigung gewichen, dass es offensichtlich doch nicht so einfach ist, alles anders zu machen und dabei gesetzliche Vorgaben einzuhalten und Kompatibilität mit bestehenden Schnittstellen zu garantieren", kommentiert Mylius.
"Bisher müssen die Platzhirsche um ihre Rolle kaum fürchten, im Notfall könnten sie die erfolgreichen Startups auch einfach kaufen, so wie es Google oder Facebook vormachen. Aber die derzeitigen Aktivitäten von Amazon werfen ganz andere Schatten voraus", betont der Managing Partner bei EY Innovalue. (vwh/td)
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Innovation · Christian Mylius · EY Innovalue