Unternehmen & Management

Weniger Frauen in den Vorstandsetagen der Versicherer

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Frauen in Führungspositionen sind in deutschen Unternehmen derzeit immer noch eine Ausnahme. Während in den Aufsichtsräten die gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent zwar erfüllt ist, herrscht in den Vorstandsetagen noch immer erheblicher Frauenmangel. Zu diesem Ergebnis kommt das aktuelle Managerinnen-Barometer 2018 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung.
Ein besonders düsteres Bild zeichnen die Wirtschaftsforscher des DIW jedoch für den Finanzsektor - sprich Banken und Versicherungen. So ist der Anteil von Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten der 100 größten deutschen Banken leicht auf knapp neun bzw. fast 23 Prozent gestiegen. In der Versicherungsbranche ist der Frauenanteil mit knapp neun bzw. 22 Prozent hingegen rückläufig. Immerhin steht laut DIW-Studie in drei Versicherungskonzernen eine Frau an der Spitze des Kontrollgremiums. Dies entspricht einem Anteil von mehr als fünf Prozent.
In 26 der 60 größten Versicherer (43 Prozent) war der Aufsichtsrat im vergangenen Jahr zu mindestens einem Viertel mit Frauen besetzt. 15 Versicherer verzeichneten immerhin einen Frauenanteil von einem Drittel. Annähernd gleich war der Frauenanteil (43 bis 45 Prozent) bei drei Versicherern. Egalität mit einem Anteil von 50 Prozent herrschte lediglich in den Aufsichtsräten der Allianz Versicherungs-AG, der Generali Deutschland sowie der Allianz-Industrieversicherungstochter AGCS.

"Führung definiert sich über die Persönlichkeit und nicht über das Geschlecht"

VWheute hat bei verschiedenen Versicherern nachgefragt: Während sich die Huk-Coburg nicht äußern wollte, seien bei "der Provinzial Rheinland sind Frauen in Führungspositionen selbstverständlich. Das gilt für das Top-Management genau so wie für die Führungsebenen darunter", betonte ein Unternehmenssprecher. Demnach bestehe die Geschäftsleitung aus vier Vorständen, davon eine Frau (Sabine Krummenerl) und zwei Generalbevollmächtigten, davon ebenfalls eine Frau (Andrea Mondry). In der Bereichsleitung liege der Frauenanteil bei circa 22 Prozent, in der Abteilungsleitung bei etwa 23 Prozent und in der Gruppenleitung bei etwa 44 Prozent.
Auch wenn der Frauenanteil in den Aufsichtsräten in deutschen Unternehmen Ende 2017 auf nunmehr 30 Prozent gestiegen sei, könne von einer Signalwirkung für Vorstände und Geschäftsführungen jedoch keine Rede sein, heißt es beim DIW weiter. Demnach blieb der Frauenanteil im Durchschnitt der umsatzstärksten 200 Unternehmen bei etwas mehr als acht Prozent. Lediglich bei den 30 größten börsennotierten Unternehmen (DAX-30) und bei den Unternehmen mit Bundesbeteiligung erhöhte der Anteil sich jeweils um rund zwei Prozentpunkte auf 13 beziehungsweise fast 18 Prozent.
Die Versicherungskammer Bayern (VKB) definiert Führung hingegen "aus unserer Sicht über die Persönlichkeit und nicht über das Geschlecht. Wer Leistung und Einsatz zeigt, Qualität bringt und bereit ist, sich auf neue Aufgaben einzulassen, kann beruflich seinen Weg gehen – ganz unabhängig vom Geschlecht". So liege der Frauenanteil im Konzern "bei über 50 Prozent. Rund jede vierte Mitarbeiterin ist Führungskraft", betonte ein Unternehmenssprecher.
Zudem sei Barbara Schick, seit Juni 2011 Vorstandsmitglied, seit 1. Januar 2018 auch stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Konzerns. Neu im Konzernvorstand ist seit 1. Januar 2018 Isabella Pfaller, verantwortlich für Rechnungswesen, Vermögensanlage und -verwaltung sowie Unternehmenssteuern. Damit habe "der Konzernvorstand einen Frauenanteil von derzeit 25 Prozent – mehr als doppelt so hoch wie in der Branche".
"Vielfalt ist für jedes Team förderlich, auch bei einem Vorstand – sowohl in Bezug auf Geschlecht wie auch auf Alter, Berufserfahrung oder Ausbildung", heißt es bei der R+V in Wiesbaden. "Höchste Priorität hat jedoch immer die Eignung für die jeweilige Position. R+V hat aktuell zwei Frauen im Holdingvorstand, bei acht Vorständen insgesamt sind dies 25 Prozent. Dies ging übrigens innerhalb von nur zwei Jahren", betonte eine Unternehmenssprecherin.

Politik sieht Handlungsbedarf

"Zwei Jahre nach Einführung der Geschlechterquote für Aufsichtsräte ergibt sich ein relativ klares Bild: Sie greift, wie in anderen europäischen Ländern auch. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ohne Druck und drohende Sanktionen offensichtlich fast nichts vorangeht, wie sich mit Blick auf die Entwicklung in den Vorständen zeigt", kommentiert Elke Holst, Forschungsdirektorin für Gender Studies am DIW Berlin.
Die Politik sieht jedenfalls Handlungsbedarf: "Ein Frauenanteil von unter zehn Prozent in den Vorständen der großen deutschen Banken ist nicht hinnehmbar", sagte Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) dem Handelsblatt. "Dort wo selbstgesetzte Zielgrößen nicht wirken, brauchen wir klare Regelungen. Ansonsten wird sich in von Männern dominierten Führungsetagen nichts ändern".
So fordert Mona Küppers, Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, nun auch für die operativen Führungsebenen, also Vorstand und zumindest die beiden darunterliegenden Ebenen, eine Zielgröße von jeweils mindestens 30 Prozent Frauen – "begleitet von wirksamen Sanktionen. Dann dauert es garantiert keine 70 Jahre mehr, bis beide Geschlechter gleich stark vertreten sind." (vwh/td)
Bildquelle: Mercer
Grafikquelle: Statista
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