Märkte & Vertrieb

Ex-Manager: Droht ein "Crash" der Lebensversicherung?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Lebensversicherung hat bekanntlich ihre besten Zeiten hinter sich. Der ehemalige Versicherungsmanager Sven Enger geht sogar einen Schritt weiter und rät den Deutschen sogar die Kündigung ihrer Policen. Der Grund: Es drohe ein "Crash" der Lebensparte mit einer "massenhaften Kapitalvernichtung". Der Branchenverband GDV sah sich angesichts des vermeintlichen Horrorszenarios zu einer Gegendarstellung genötigt.
Einst war Enger als Mitarbeiter beim Deutschen Ring, als Vertriebsdirektor bei Delta Lloyd, Vorstand der Skandia Lebensversicherung und Deutschland-Geschäftsführer von Standard Life ein Teil der Versicherungsbranche, mit der er nun hart ins Gericht geht. Sein Vorwurf nun: "Die Sparer landen hier auf der Müllkippe der Versicherungsindustrie". So hätten viele Lebensversicherer bereits den Vertrieb der klassischen Lebensversicherungen eingestellt, andere wollten Millionen Policen durch den Verkauf an Abwicklungsfirmen kalt entsorgen.
Und dennoch: "Für einige Firmen wird der Absturz nicht abzuwenden sein", befürchtet der ehemalige Versicherungsmanager und heutige Buchautor mit dem provokanten Titel "Alt, arm und abezockt", welches am Freitag erscheinen soll. Zudem sei die Auffanggesellschaft Protektor überfordert, wenn ein großes Unternehmen in die Knie gehe, befürchtet Enger in einem Interview in der neuen Ausgabe des Stern.
Außerdem: "Alle haben gesehen, was auf die Branche zukommt, und doch hat kaum einer reagiert", wirft er der Branche weiterhin vor. Dennoch seien die Unternehmen immer weiter nach dem Motto gelaufen: "Ich hole rein, was geht, ich bin neugeschäftsgeil". Zudem seien "extreme Belohnungen" gegeben worden, die letztlich von den Beiträgen der Kunden bezahlt worden seien. Branchenvertreter zitiert Enger außerdem mit der Aussage, "dass man den kompletten Champagner-Vorrat eines Kreuzfahrtschiffes ausgetrunken habe".

GDV warnt vor Angstmache

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) warf dem früheren Versicherungsmanager indes unverantwortliche und unfundierte Panikmache vor. "Herr Enger möchte ein Buch verkaufen. Werbung zu machen ist legitim, nicht aber das bewusste Schüren vollkommen unbegründeter Ängste.", kontert Peter Schwark, Mitglied der GDV-Geschäftsführung. "Die deutschen Lebensversicherer können nicht nur heute, sondern auch in Zukunft alle Verpflichtungen gegenüber ihren Kunden erfüllen. Und das selbst in Extremszenarien, die statistisch nur einmal in 200 Jahren auftreten", so Schwark.
Dem Aufruf "Raus aus den Policen!" hielt Schwark entgegen: "Damit offenbart Herr Enger, dass er seine kommerziellen Interessen über die Interessen der Kunden stellt. Lebensversicherungen sind nicht nur sicher, sondern bieten gerade im aktuellen Zinsumfeld eine attraktive Verzinsung. Mit einer Kündigung verzichten Kunden zudem nicht nur auf Rendite, sondern auch auf den Risikoschutz einer Lebensversicherung im Todesfall oder auch bei Berufsunfähigkeit des Versicherten". (vwh/td)
Bild: Sven Enger (Quelle: 5 Sterne)
GDV · Lebensversicherung · Sven Enger
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