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"Kalkulation einer Marihuana-Versicherung ist möglich"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Lange Schlangen an Geschäften in Kalifornien. Der größte amerikanische Staat hat den Verkauf von Marihuana legalisiert. In Deutschland will die Diskussion um eine Legalisierung nicht abebben, der Verkauf als Medizin ist bereits gestattet und mehrere Anbieter wollen in Deutschland Marihuana-Plantagen errichten. Wie eine Plantage versichert und die Prämie berechnet würde, weiß der Agrarversicherungsexperte Vereinigte Hagelversicherung.
Die Idee einer Marihuana-Plantage mag zunächst obskur erscheinen, doch letztendlich ist Marihuana auch nur eine Hanfpflanze, die in Deutschland bereits seit langer Zeit angebaut werden und bei chronischen Schmerzen enorm helfen kann. "Im Rahmen unserer Ernteversicherung Secufarm sind Gespinstpflanzen – hierzu zählt auch der Hanf – versicherbar gegen die Gefahren Hagel, Sturm, Starkregen und Spätfrost. In unserem Bestand haben wir rund 2.500 ha Hanf in Deckung", bestätigt die Vereinigte Hagelversicherung.
Auch der Schutz der Hanfpflanzen ist Standard, "versichert ist der mengenmäßige Ertragsverlust der Fasern. Dieser Verlust wird von den Sachverständigen wie bei anderen Kulturen auch nach der Schadenmeldung begutachtet und mit einer Quote bewertet."
Kein Marihuana-Experte im Haus
Die Versicherung von Marihuana wäre also keine große Sache und würde nach Schema F ablaufen – so einfach ist es nicht. "Bei dem Anbau von Hanf zur Marihuana-Erzeugung wäre nicht die Faser das zu versichernde Erntegut, sondern eine Mischung aus den Blüten und unbefruchteten Blütenständen. Zudem kommt es auf den THC-Gehalt in diesen Pflanzenteilen an. Dieser kann je nach angebauter Sorte und Witterungsverlauf zwischen 2 und 20 Prozent schwanken; medizinische Hybridsorten kommen sogar auf über 25 Prozent."
Mit anderen Worten, es wird ein Marihuana-Kenner zur Begutachtung benötigt. "Neben der reinen Mengenversicherung ist die Qualität enorm wichtig. Man bräuchte also einen ausgewiesenen Marihuana-Experten, der die Güte der einzelnen Sorten bestimmen und die Versicherungswürdigkeit festlegen könnte. Einen solchen Experten haben wir bei der Vereinigten Hagel – glücklicherweise – nicht."

Kalkulation schwierig, aber möglich

Wie groß der Markt für Marihuana seien kann, das zeigt ein Blick nach Kalifornien. Es wird erwartet, dass bis 2020 jährlich sieben Milliarden Dollar umgesetzt werden. In Deutschland wäre die Hanfpflanze gerade bei einer rein medizinischen Nutzung weitaus wertvoller als normale Ess- und Nutzpflanzen, was sich auch in der Kalkulation niederschlagen würde.
"Die Kalkulation der Versicherungsprämie zumindest für den mengenmäßigen Ernteverlust wäre technisch sicherlich möglich. Allerdings haben wir keine Zahlen zur durchschnittlichen Erntemenge und zum Verkaufspreis von medizinischem Cannabis. Vermutlich dürfte der Hektarwert weit über dem von Sonderkulturen wie Obst und Wein oder gar Rebmuttergärten liegen. Damit würden wir vermutlich ein Kumulrisiko annehmen, da der Anbau sicherlich nur an wenigen Standorten genehmigt würde und somit eine Risikostreuung über die Fläche nicht möglich wäre."
Mit anderen Worten: Es würde teuer werden. Die Vereinigte Hagelversicherung führt aus: "Da die Ernteversicherung nur Schäden durch Wettereinflüsse ersetzt, wären zu erwartende Schäden durch Diebstahl oder Vandalismus hingegen kein Problem – diese wären ohnehin nicht abgedeckt, genauso wie beispielsweise Wildschäden. Insofern würde dies die Prämie nicht beeinflussen."
Mit einer plötzlichen Erlaubnis von Plantagen rechnet der Versicherer nicht: "Insgesamt betrachtet konzentrieren wir uns weiterhin auf unsere Kernkompetenz: Absicherung der Ernte gegen mengenmäßige Verluste und bei einigen Kulturen, zum Beispiel bei Obst und Gemüse, auch gegen qualitätsmindernde Schäden." (vwh/mv)
Bildquelle: Manwalk / www.pixelio.de / Pixelio
Agrarversicherung · Vereinigte Hagelversicherung · Marihuana
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