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Isringhaus: Es gibt keine Alternative zur Lebensversicherung

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Rainer Isringhaus, seit 2014 Aufsichtsratsvorsitzender der Volkswohl Bund Versicherungen, feierte am 6. Januar seinen 70. Geburtstag. Von 1992 bis 2007 war er Versicherungsvorstand bei der Kölnische Rückversicherungs-Gesellschaft AG. Auch heute bezieht er noch klar Stellung: Für die Lebensversicherung gibt es keine Alternative, erklärt er im Gespräch mit VWheute.
VWheute: Was hat sich aus Ihrer Erfahrung heraus am heutigen Lebensversicherungsmarkt gegenüber dem von vor 20 Jahren verändert?
Rainer Isringhaus: Da gibt es sehr Vieles, was sich verändert hat. Das Zinsumfeld ist dabei eine der größten Problemstellungen, die wir in den letzten Jahrzehnten erleben. Das ist für Kunden nicht schön, bietet aber durchaus auch interessante Herausforderungen für das Management. Aber auch das regulatorische Umfeld und die Produktlandschaft haben sich deutlich verändert. Im Grunde genommen sind die gesamten Grundlagen im Geschäftsfeld der Lebensversicherung heutzutage andere als noch vor zwei und mehr Jahrzehnten. Unternehmen bieten sich auch heute sehr viele Chancen, um sich erfolgreich weiter zu entwickeln. Zur Lebensversicherung und anderen biometrischen Produkten gibt es keine Alternative.
VWheute: Was sagen Sie als "alter Hase" der Branche zu den "Run-off"-Plänen einiger Lebensversicherer?
Rainer Isringhaus: Das ist für mich keine Option, und ich lehne das ab. Leidtragende sind neben den Kunden insbesondere die Vertriebe, die ihren Kunden nur schwerlich noch Neugeschäft vermitteln können. Der Volkswohl Bund hat dazu klar Stellung bezogen. Für unser Unternehmen kommt ein "Run-Off" nicht infrage.
VWheute: Sie sind Aufsichtsratsvorsitzender eines Gegenseitigkeitsvereins, den das nicht unmittelbar betrifft. Aber, erleben wir in der Branche eine Art Shareholder Value-Ideologie?
Rainer Isringhaus: Das kann man tatsächlich im Markt so wahrnehmen. Allerdings hat die Gegenseitigkeit damit nichts zu tun. Wir erleben keinen Aktionärsdruck und stehen wirtschaftlich gesund da. Gerade der Volkswohl Bund weist in den letzten 15 Jahren überdurchschnittliche Wachstumsraten auf.
VWheute: Was macht ein VVaG besser oder anders als eine AG?
Rainer Isringhaus: Fakt ist, dass sich Gegenseitigkeitsvereine oftmals durch günstigere Kostenquoten auszeichnen. Die Unabhängigkeit eines VVaG ermöglicht zudem eine klare Ausrichtung auf die Bedürfnisse der Kunden. Natürlich hat es auch bei VVaGs schon Probleme gegeben. Wenn aber ein VVaG gut geführt wird, was in der überwiegenden Zahl dieser Gesellschaften der Fall ist, sind gegenüber einer AG eher Vorteile zu sehen.
VWheute: Wie können Sie, abgesehen von Ihren gesetzlichen Aufgaben als AR-Vorsitzender, gestalterisch im Unternehmen mitwirken?
Rainer Isringhaus: Der Aufsichtsrat ist zunächst einmal das Kontrollgremium im Unternehmen und für die Vorstandsbestellungen zuständig. Gleichzeitig nimmt der Aufsichtsrat eine Beratungsfunktion wahr und ist Coaching- bzw. Sparringspartner für den Vorstand. Darüber hinaus spielt der Aufsichtsrat eine Rolle bei Aufbau und Erhalt einer Führungskultur die zum Unternehmen passt. Das halte ich ebenfalls für sehr wichtig.
VWheute: Sie kennen die Versicherungswirtschaft aus langjähriger beruflicher Erfahrung. Ist für Sie Digitalisierung Fluch oder Segen?
Rainer Isringhaus: Die Digitalisierung ist inzwischen auch in der Versicherungswirtschaft angekommen und bringt natürlich vor allem Vorteile in der Kommunikation mit Kunden und Vertrieb. Das Ganze muss vor allem vernünftig gemanagt werden. Im Zusammenhang mit der Digitalisierung wird es wie bei vielen Großprojekten auch Irrwege geben. Von den zahlreichen Start-ups die zurzeit in den Markt drängen, werden viele nicht überleben. Wir als Volkswohl Bund haben rechtzeitig den Einstieg in die Digitalisierung vollzogen. Die Neugründung der Dortmunder Lebensversicherung AG ist nur ein Beispiel dafür.
Das Gespräch führte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.
Bild: Rainer Isringhaus (Quelle: Volkswohl Bund)
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