18.12.2017Märkte & Vertrieb

Bipro will digitale Nachhaltigkeit fördern

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran. Die Zweifler werden weniger und den Befürwortern geht es - trotz massiven Marktdrucks beim Digitalisieren und Automatisieren von Prozessen - nicht schnell genug. Um sich bei dem komplexen, möglicherweise disruptiven Marktgefüge nicht im "Digitalen Wandel" zu verlieren und effizient kommunizieren zu können, sind Standards unerlässlich, betont Alexander Kern exklusiv für VWheute.
Die bewährten Normen des Bipro garantieren Nachhaltigkeit - müssen jedoch noch mehr in den Unternehmensstrategien verankert werden. Zugleich bearbeitet der Verein durch seine "Labs" innovative Standardisierungsfelder für die gesamte Branche.
Bipro als neutrales Normierungsinstitut mit mehr als 260 Mitgliedern bewegt sich bereits seit über elf Jahren im Spannungsfeld von Nachhaltigkeit und Innovation. Denn die Versicherungsbranche ist geprägt von hohem Wettbewerbsdruck mit einer Vielzahl von Marktteilnehmern.
Ein wesentlicher USP der Bipro-Community ist daher die Heterogenität der Mitglieder. Alle Marktgruppen, wie Versicherungen, Vermittler, Pools, Vertriebe, Dienstleister, Berater und Produkthersteller können bei der Entwicklung der Normen Einfluss nehmen. Das ist wichtig, denn nur ein Standard der von allen Prozessbeteiligten entwickelt und genutzt wird, schafft vor dem Hintergrund der digitalen Transformation eine erhöhte Prozesseffizienz, Transparenz, gesteigerten Wettbewerb und die Förderung von Innovationen.
Die Bipro-Standards selber sind Spezifikationen, also fachliche und technische Beschreibungen von Prozessen und Datenmodellen, die von den Unternehmen am Markt selbständig umgesetzt werden. Durch den Einsatz einer solchen Bipro-Prozesssprache können die Unternehmen die unternehmens-übergreifenden Prozesse optimieren.
Einfacher ausgedrückt, es können sämtliche Daten und Dokumente elektronisch in den Kernprozessen zwischen Versicherungen und deren Partnern standardisiert ausgetauscht werden. Dies sind Bestandspflege, Neugeschäft (Tarifierung, Angebot, Antrag), Schadenmanagement (Schadeninformation) und Abrechnung. Bipro ist dabei keine Software oder gar ein zentraler Server. Der Austausch erfolgt dezentral über die jeweiligen Systeme der Unternehmen via Internet. Die Normen werden ausschließlich bedarfsorientiert entwickelt und der Prüfung einer Praxistauglichkeit durch die Mitglieder unterzogen, bevor sie allen Marktteilnehmern dann frei zur Verfügung stehen.

Nachhaltigkeit durch Digitalisierungsoffensiven

Die Normierung von standardisierten Daten und Prozessen in der Assekuranz ist das ursprüngliche Handlungsfeld des Bipro. Aber auch die darauffolgende Aufgabe – die Verbreitung und Pflege der Normen – ist mitunter Schwerpunkt geworden. Dies unterstützt der Verein insbesondere mit seinen Digitalisierungsoffensiven (DiO). Hier werden die Kräfte der Mitgliedsunternehmen gebündelt, um eine zielgerichtete und strukturierte Implementierung der Normen zu ermöglichen.
In der Regel beteiligen sich 35-45 Unternehmen an einer DiO. Dies garantiert den Mitgliedern Nachhaltigkeit und einen positiven "Bipro-ROI". Hier zeigt sich die Stärke der Community als essentieller Erfolgsfaktor. Die aktuell abgeschlossene "DiO Maklerpost", sowie die Anfang 2018 startenden "DiO Schadenstatus /-meldung" und "DiO Bestandsprozesse" fördern nicht nur die flächendeckende Umsetzung der entsprechenden Bipro-Normen, sondern ermöglichen insbesondere die Etablierung von eServices, z.B. die Änderung der Anschrift in Echtzeit beim Versicherer, hin zu Partnern und Kunden. Letztlich steigern die Mitglieder damit signifikant auch ihre Wettbewerbsfähigkeit.

Innovationen und Standards

Um nicht den Anschluss an rasante Entwicklungen und Themenfelder, wie z.B. Blockchain, eHealth, SmartHome oder Robotic und deren Auswirkungen auf die Assekuranz zu verlieren, wurde das neue Format "Bipro-Lab" initiiert. Es ermöglicht in Form von agilen Workshops schnelle Ideen und Konzeptentwicklung in Symbiose von Assekuranz und Innovation.
Es soll Impulse, die sich aus der Digitalisierung ergeben, auf Praxistauglichkeit überprüfen und auf Basis von Standards neue Geschäftsfelder für die Community eröffnen. Denn auch der Treiber unternehmensübergreifender und innovativer (Prozess-)Themen zu sein, steht urtümlich für den Charakter der Bipro.
Somit ist die Einführung des Labs eine folgerichtige Entscheidung, um den Zyklus der Normentwicklung stetig weiterzuentwickeln, anzureichern und für die Zukunft sicherzustellen.
Der neutrale Bipro-Standard ist in der Assekuranz gesetzt, aber dessen Potential wird oft noch nicht ausreichend erkannt oder genutzt. Dies hat Gründe. Zum einen wird irrtümlich angenommen, die Bipro-Norm sei ausschließlich eine "Maklerschnittstelle" sowie ein „besserer“ GDV-Datensatz und nicht eine weitreichende Prozess-Schnittstelle, die auch im Sinne einer z.B. vertriebsorientierten Multikanal Strategie eingesetzt werden kann.
Erschwerend kommt meist hinzu, dass die Normen einen direkten bilateralen digitalen Austausch in Echtzeit ermöglichen, aber aufgrund meist veralteter Systeme, die Marktteilnehmer gering bis gar nicht in der Lage sind, auf die direkte Anfrage Daten und/oder Dokumente aus dem Backend-System bereit zu stellen.
Zum anderen wird grundsätzlich das Potential solcher elektronischen Standards zur Bewältigung der Digitalisierungsherausforderungen (z.B. Schaffung von neuen Business Cases und Prozess- sowie Service-Exzellenzen) nicht im erforderlichen Maße erkannt oder gar unterschätzt, mit der Folge, dass sie nicht in der Unternehmensstrategie verankert sind. Um das Verständnis rund um Bipro-Normen im Einzelnen und der Potentiale von Standards im Ganzen zu fördern, werden im Rahmen der Bipro-Akademie Schulungen für Spezialisten bis zu Entscheidern im Kontext der aktuellen Normenlandschaft für Unternehmen angeboten.
Zum Autor: Alexander Kern ist Leiter Business Development bei Bipro
Bildquelle: B-tix
Bipro e.V. · Alexander Kern
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