14.12.2017Unternehmen & Management

PKV: Kooperation statt Konfrontation

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Beitragsanpassungen infolge steigender Leistungsausgaben setzen das Geschäftsmodell der PKV zunehmend unter Zugzwang. "Es gibt einen erheblichen Handlungsdruck und der wird noch wachsen", sagte Ulrich Leitermann, Vorstandschef der Signal Iduna Gruppe. Zu erwarten sei, dass die Leistungsausgaben infolge Demographie, medizinischem Fortschritt und Inflation auch künftig jährlich um mindestens 4,5 Prozent steigen werden.
Im Hinblick auf die SPD-Forderung nach einer Bürgerversicherung steht das Geschäftsmodell der PKV gerade wieder besonders im Fokus. Da bei vielen Gesellschaften die auslösenden Faktoren für Beitragsanpassungen die notwendige Höhe erreicht hat, ist aktuell zudem auch eine sichtbare Beitragsanpassung mit entsprechenden Schlagzeilen in Sicht.
Mit Blick auf eine mögliche Große Koalition aus Union und SPD warnte Leitermann davor "ohne Not eines der besten Krankenversicherungssysteme zu zerstören, denn beim dualen Gesundheitssystem gibt es keinen Handlungsbedarf." Die Branche werde sich mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mittel gegen eine Einheitsversicherung wehren.
"Wir brauchen mehr Kooperationen und branchenübergreifenden Austausch beispielsweise über Plattformen. Wir werden in der Zukunft mehr Zusammenarbeiten sehen und damit erfolgreich sein", sagte Leitermann am Mittwoch bei einer Veranstaltung des Fachkreises Krankenversicherung der Vereinigung der Versicherungs-Betriebswirte e.V. Sein Haus erarbeitet für "Gesund bleiben, gesund werden und Pflege" eine Plattform.
Er verwehrt sich aber, dass man Kernkompetenzen nach außen gibt. Eine Lösung sieht Leitermann in Kooperationen zur Steuerung von Leistungen und Einkaufsverbünden wie der von der Signal Iduna Gruppe initiierten LM+ Leistungsmanagement GmbH, an der sich zudem Barmenia Krankenversicherung a.G., die Gothaer Krankenversicherung AG und die Hallesche Krankenversicherung a.G. beteiligt haben. Wichtig seien zudem der "Wandel hin vom Kostenerstattung hin zum Gesundheitsdienstleister" und das Denken vom Kunden her.
Thomas Soltau, Geschäftsführer LM+ Leistungsmanagement GmbH, berichtete, dass die Wertschöpfungstiefe in der PKV noch bei 80 bis 90 Prozent liegt, während die gesetzlichen Kassen durch Kooperationen und Auslagerungen nur noch 55 bis 75 Prozent der Wertschöpfung selbst erstellen. LM + sucht über die vier Eigentümer hinaus weitere Kooperationspartner, die auch nur einzelne Leistungsmodule übernehmen können.
Auch der digitale Krankenversicherer Ottonova sucht Kooperationspartner. "Wir führen Gespräche mit Krankenversicherern und einigen großen Beihilfestellen", sagte Ottonova-Vorstand Karl Heinz Naumann. Bei den Kooperationsmöglichkeiten geht es insbesondere um die sehr umfangreiche App, die Ottonova seinen Kunden als wesentliches Kontaktmedium anbietet. Nur das Know how im Marketing würde man nicht mit anderen teilen wollen, so Naumann. (lie)
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