Politik & Regulierung

Weiler: "Der Kampf um Talente nimmt zu"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Digitalisierung, Regulierung oder niedrige Zinsen - die Liste der Herausforderungen für die Branche ist derzeit lang. "Die Versicherungsbranche wandelt sich. Dabei geht es nicht nur darum, Prozesse zu optimieren, sondern auch neue Geschäftsfelder zu erschließen und eine neue Branchenkultur zu gestalten", konstatiert GDV-Präsident Wolfgang Weiler in einem verbandseigenen Interview.
"Wir erleben eine neue Dynamik auf unseren Märkten. Es kommen gerade viele Dinge gleichzeitig auf uns zu: Digitalisierung, Demografie, Klimawandel, Niedrigzins, Verbraucherschutz. Und die Schnelligkeit im Veränderungsprozess ist nicht gerade eine traditionelle Stärke von Versicherern", betont Weiler. Mit Blick auf Zukunft der Beschäftigten in der Branche blieb der ehemalige Vorstandssprecher der Huk-Coburg hingegen eher vage.
"Es sind preisgünstigere Produkte und neue Chancen entstanden. Die Antwort wird vor allem von uns selbst abhängen – wie schnell wird sich unsere Branche anpassen, wie schnell wird sie neue Geschäftsfelder erschließen?", konstatiert der neue Präsident des Branchenverbandes. "Dabei sind wir gefordert, in Fortbildung zu investieren und den digitalen Strukturwandel zu leben – das heißt auch, schnell und entschlossen vorzugehen", lautet seine Forderung.

Branche braucht mehr Effizienz

Für die Unternehmen bedeute dies vor allem mehr Effizienz. "Natürlich muss nicht jeder Schadenfall zukünftig noch durch einen Sachbearbeiter persönlich betreut, nicht jede Police im persönlichen Kontakt abgeschlossen werden. Ja, unsere Branche konsolidiert sich – trotz steigender Beiträge", betont Weiler. "Zu Beginn dieses Jahres beschäftigten deutsche Versicherer 207.200 Mitarbeiter – das sind 1,5 Prozent weniger als Anfang 2016. Rechnen wir Makler und selbstständige Vermittler dazu, kam die Branche zuletzt auf insgesamt 524.000 Erwerbstätige. 2010 waren es noch 562.000", betont der Verbandschef.
Dennoch habe der Beruf des Versicherungsvermittlers weiter Zukunft: "Aber auch hier gilt: Der Beruf ändert sich. Die Digitalisierung und die Regulierung fordern Vermittlerinnen und Vermittler. Sie müssen investieren, in Technik und in Weiterbildung und natürlich müssen sie verstärkt mit Online- und Vergleichsportalen konkurrieren. Es ist für die Unternehmen nicht einfach, neue Vermittler zu gewinnen. Und für die neuen Vermittler ist es nicht einfach, sich ein langfristig solides Geschäft aufzubauen", betont der GDV-Präsident.
Gleichzeitig spricht sich Weiler auch für mehr Experimentierfreudigkeit aus: "Wieso soll ein junger Mensch nicht mal experimentieren? Ich muss ja als 25-Jähriger nicht schon meine Pensionierung im Auge haben. Umgekehrt kann ein Mitarbeiter sicher auch mal zu einem Start-up wechseln und dort seine Branchenerfahrung einbringen. Fakt ist: Der Kampf um Talente nimmt zu – auch für Versicherer. Wir dürfen uns nicht in Sicherheit wiegen". (vwh/td)
Bild: GDV-Präsident Wolfgang Weiler (Quelle: GDV)
GDV-Präsident · Wolfgang Weiler
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