12.12.2017Politik & Regulierung

Wird die duale Krankenversicherung durchlässiger?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Eigentlich sollte bei der gestrigen Handelsblatt-Jahrestagung "Health 2017" der/die neue Bundesgesundheitsminister/in die Ziele der wie auch immer gearteten Koalition für die kommenden vier Jahre umreißen. Da dies nicht möglich war, blieb manches im Vagen. Ideen und Anregungen gab es indes genug - sei es beim Thema Bürgerversicherung oder den PKV-Beitragsanpassungen.
Drei wichtige Baustellen im deutschen Gesundheitssystem identifizierte Susanne Ozegowski, Versorgungsmanagement-Expertin der Techniker Krankenkasse. Der/die neue Bundesgesundheitsminister/in müsste zum einen das Thema Digital Health weiter voranbringen und vor allem die Frage beantworten, welche Effekte daraus für die medizinische Versorgung entstünden.
Patienten müssten zudem digital fit gemacht werden, damit sie sie Angebote nutzen können Zweitens müsse das "Megathema" sektorenübergreifende Versorgung angegangen werden. Die Grabenkämpfe zwischen ambulanter und stationärer Versorgung seien nicht hinnehmbar. Und schließlich müsse sich das neue Ministerium dringend um die nichtärztlichen Gesundheitsberufe kümmern, vor allem was Ausbildung, Vergütung und Attraktivität der Berufe insgesamt betrifft.

Arbeitgeber wieder paritätisch beteiligen

Welche Probleme bei der Finanzierung von Gesundheitsleistungen von der neuen Regierung zu lösen sind, damit befasste sich Jürgen Wasem, Professor am Lehrstuhl für Medizinmanagement der Universität Duisburg-Essen. Bei der GKV sei das Thema paritätische Finanzierung ebenso drängend wie die Mittelverteilung an die Kassen durch den Gesundheitsfonds. 2003 habe man die Parität verlassen. Gegenwärtig würde diskutiert, die Arbeitgeber wieder stärker an den Beitragssteigerungen zu beteiligen. Bei der Mittelverteilung gehe es darum, die Ausgestaltung der Zuweisungen zu hinterfragen. Kassen kommen sehr unterschiedlich gut mit den Zuweisungen aus, was sich in Zusatzbeiträgen von 0,3 bis 1,8 Prozent der Beitragssatzpunkte manifestiere.

Regeln für PKV-Beitragsanpassungen müssen reformiert werden

Bei der PKV seien die Spielregeln für Beitragsanpassungen reformbedürftig. Zwar seien die niedrigen Zinsen die Treiber für Anpassungen, stellen aber allein keinen Grund für Erhöhungen dar. Unternehmen müssten stattdessen warten, bis auch die Kosten steigen. Damit seien große Beitragssprünge programmiert.
Hier müsse der Gesetzgeber mit mehr Flexibilität reagieren, forderte Wasem. Handlungsbedarf sieht er bei Tarifen für kleine Selbstständige. In der PKV gebe es den Notlagentarif, die GKV müsse auch entsprechende Angebote machen. Was die Bürgerversicherung betrifft, vermutet er keine einfache Lösung. Alles sei von der konkreten Ausgestaltung und den Details abhängig. Als Experte seien er und Kollegen bereit, die Politik zu unterstützen.

Mehr Durchlässigkeit zwischen den Systemen

Für ein verbessertes Nebeneinander von gesetzlicher (GKV) und privater Krankenversicherung (PKV) statt Bürgerversicherung plädierte Hans Olav Herøy, Vorstand der Huk-Coburg Krankenversicherung AG. Er setzt sich für ein duales System mit hoher Durchlässigkeit ein.
Sowohl von der GKV in die PKV als auch in die andere Richtung sowie innerhalb der Systeme sollte ein Wechsel unter bestimmten Bedingungen möglich sein. Dies würde den heutigen Status quo weitgehend erhalten, aber dem Wettbewerb um Bestandskunden Aufschwung verleihen. Denn: Jeder Versicherte könne nahezu ohne finanzielle Nachteile wechseln. Details müssten natürlich noch beleuchtet werden
Aktuell sieht er "sanftere" Methoden als die Abschaffung der PKV auf dem Vormarsch. Dazu zählen die Anhebung der Versicherungspflicht-Grenze für Arbeitnehmer, GKV-Tarife für Beamte und Öffnungsaktionen für PKV-Wechsler in die "Einheitsversicherung" unter "verfassungskonformer Mitgabe der Alterungsrückstellungen". Daneben sei auch die Möglichkeit für private Krankenversicherer, die "Einheitsversicherung" anzubieten, im Gespräch. (epo)
Bild: Hans Olav Herøy (Quelle: epo)
Krankenversicherung · Hans Olav Herøy
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