12.12.2017Märkte & Vertrieb

Versicherer erwarten Boom bei Cyberpolicen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Schutz gegen Cyberattacken scheint bei immer mehr Unternehmen eine wichtige Rolle zu spielen, was sich nun auch bei den Versicherern widerspiegelt. So erwarten die Allianz und die Munich Re in den kommenden Jahren einen deutlichen Anstieg bei der Nachfrage nach entsprechendem Versicherungsschutz. Allerdings scheinen auch die Risiken für Branche selbst nicht unerheblich zu sein.
"In zehn Jahren könnte es ein weltweites Marktvolumen von zwanzig Mrd. Euro geben. Weltweites Risiko Nummer eins ist die Betriebsunterbrechung", konstatiert Andreas Berger, Vorstand bei der Allianz-Tochter AGCS, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Bei jeder zehnten Cyber-Police wird ein Schaden gemeldet", ergänzt Berger. Dabei scheinen die regulatorischen Vorgaben ihr übriges zu tun. "Die Nachfrage wird mit Inkrafttreten der EU-Datenschutzgrundverordnung im nächsten Jahr rapide zunehmen. Die sieht eine verschärfte Meldepflicht für Cyberattacken vor", erläutert der AGCS-Vorstand.
Etwas vorsichtiger gibt sich hingegen die Munich Re mit ihrer Prognose. So geht der Rückversicherer derzeit von einem Marktvolumen von 3,6 Mrd. Dollar aus, wovon rund 85 Prozent auf die USA entfallen. Bis 2020 erwartet der Konzern einen Anstieg auf ein weltweites Prämienvolumen von acht bis zehn Mrd. Dollar.
Besonders das Thema Online-Erpressung scheint den Versicherern im vergangenen Jahr besonders zu schaffen zu machen. "Wir hatten bei Ransomware im letzten Jahr einen enormen Anstieg - verdoppelt, verdreifacht, vervierfacht, welche Statistik auch immer man greift", betont Doris Höpke, im Vorstand der Munich Re zuständig für Spezial- und Finanzrisiken.
Zudem geht die Expertin davon aus, dass die Zahl der Cyberangriffe mit Hilfe vernetzter Maschinen und Geräte noch weiter zunehmen werden. "Das Ganze zu kategorisieren, ist extrem schwer, auch weil es ganz unterschiedliche Motivationslagen der Täter gibt. Vom ideologisch getriebenen Terroristen bis zum 15-Jährigen, der seine Fähigkeiten testen möchte", konstatiert Höpke.
Auch bei anderen Versicherern macht sich die Nachfrage nach entsprechendem Versicherungsschutz bemerkbar. "Wir beobachten, dass derzeit viele Unternehmen intensiv damit beschäftigt sind, ihre Cyber-Risiken zu quantifizieren und zu analysieren, um die Grundlagen für ein effektives Cyber-Risikomanagement zu schaffen", betonte Lucas Will, Leiter Cyber Risk Practice bei Marsh, jüngst gegenüber VWheute.
Auf dem deutschen Markt waren Cyper-Policen hingegen lange Zeit kein Thema. "Anfangs mussten wir echte Pionierarbeit leisten und sowohl Makler als auch Kunden grundlegend zum Thema aufklären und zu sensibilisieren", erläuterte Ole Sieverding von Hiscox gegenüber VWheute. Heute seien Cyber-Policen jedoch "dynamischer als herkömmliche Versicherungsprodukte und erfordern viel Know-how, sowohl im Underwriting als auch in der Schadenabwicklung". (vwh/td)
Bildquelle: Deutsche Telekom
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