Politik & Regulierung

Loveparade-Unglück wird juristisch aufgearbeitet

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Die Katastrophe um die Loveparade in Duisburg im Jahr 2010 wird nun seit Freitag vor aufgearbeitet. Auf der Anklagebank sitzen neben sechs Mitarbeitern der Stadt Duisburg auch vier Angestellte des Loveparade-Veranstalters "Lopavent". Die Axa als Haftpflichtversicherer kündigte bereits im Vorfeld gegenüber VWheute an, auf etwaige Regressansprüche zu verzichten zu wollen.
Im Kern wirft die Staatsanwaltschaft den Angeklagten "schwerwiegende Fehler bei Planung und Genehmigung" vor. Nicht angeklagt sind hingegen der später abgewählte Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland und der Fitnessstudio-Unternehmer Rainer Schaller ("McFit"). Letzterer hatte einige Jahre vor dem Unglück über sein Tochterunternehmen Lopavent die Rechte an der Loveparade erworben. Allerdings sollen beide im Laufe des Verfahrens als Zeugen aussagen.

Prozesskosten in Millionenhöhe

Dabei stehen die zuständigen Richter des Landgerichts Duisburg bereits jetzt schon unter Zeitdruck: So müssen die Richter bis spätestens Juli 2020 ein Urteil gefällt haben, damit die Vorwürfe nicht verjähren. Daher bleiben den Juristen gerade einmal zweieinhalb Jahre Zeit, um die Anklageschrift von 556 Seiten abzuarbeiten. Wegen des großen Andrangs wurde der Sitzungssaal in das Kongresszentrum Düsseldorf verlegt. Angesichts eines Mietpreises von 20.000 Euro pro Tag und mindestens 111 angesetzten Verhandlungsterminen bis Ende 2018 dürften sich die Kosten für den Mammutprozess bereits jetzt in einem einstelligen Millionenbetrag bewegen.
Allein die sogenannte Hauptakte umfasst derzeit 117 Bände mit 53.500 Seiten. Hinzu kommen rund 1.000 Ordner mit Beweismitteln und weiteren Unterlagen sowie rund 1000 Stunden Videomaterial mit den Aufnahmen von Überwachungskameras und Handys. Bereits im Vorfeld hatte die Staatsanwaltschaft dreieinhalb Jahre im Fall "Loveparade" ermittelt. Dabei hatten 96 Polizisten insgesamt 3.409 Zeugen vernommen undVideomaterial in einer Gesamtlänge von rund 1.000 Stunden gesichtet.

Axa verzichtet auf Regressansprüche

Die Axa als Haftpflichtversicherer der Lopavent GmbH hatte bereits "fünf Tage nach der Loveparade-Katastrophe haben wir aktiv eine Soforthilfe in Höhe von einer Million Euro bereitgestellt und im Mai 2011 mit der Stadt Duisburg eine Vereinbarung getroffen, die Betroffenen vollständig zu entschädigen - ohne das Ergebnis des Strafverfahrens abzuwarten, wie es eigentlich üblich ist".
"Das war ein sehr außergewöhnlicher Schritt, den wir im Interesse der Betroffenen gegangen sind, weil sie ansonsten bis zum Ausgang des Strafverfahrens hätten warten müssen, um Ansprüche geltend machen zu können. Rund 90 Prozent der Schadenfälle konnten wir mittlerweile mit den Anspruchstellern oder deren Anwälten klären und, soweit die Ansprüche nachvollziehbar und berechtigt waren, auch regulieren. Wir arbeiten weiterhin daran, die noch offenen Ansprüche gemeinsam mit den Betroffenen und deren Anwälten zu klären", betonte die Axa auf Anfrage gegenüber VWheute.
"Falls es am Ende des Strafverfahrens zu einer oder mehreren Verurteilungen kommen sollte, werden wir gegen den/die Verurteilten keine Regressansprüche geltend machen. Sollte die Schuldfrage nicht geklärt werden können oder die Angeklagten frei gesprochen werden, wird es in keinem Fall zu Rückforderungen zulasten der Geschädigten kommen", betonte eine Unternehmenssprecherin weiter. (vwh/td)
Bild: Sitzungssaal im Prozess um die Loveparade 2010 (Quelle: dpa)
Axa · Loveparade
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