11.12.2017Märkte & Vertrieb

Insurtechs: Droht nun die Marktbereinigung?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Erst waren es Konkurrenten, dann beliebte Kooperationspartner - und dann? Insurtechs haben den Versicherungsmarkt zweifelsohne belebt. Doch nun könnte dem noch jungen Markt für digitale Versicherungs-Start-ups eine erste Marktbereinigung drohen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie von Oliver Wyman und Policen Direkt.
So erlebt die Versicherungsbranche in Deutschland derzeit einen regelrechten Boom an digitalen Neugründungen. Während laut Studie Mitte 2016 noch 53 Insurtechs auf dem heimischen Markt unterwegs waren, sind es aktuell bereits 109. Davon sind allein 41 Prozent im Vertriebsbereich aktiv, heißt es im "Insurtech-Radar 2017" der Unternehmensberatung Oliver Wyman und des Lebensversicherungsaufkäufers Policen Direkt.
Gerade in diesem Segment erwarten die Experten jedoch eine erste Marktbereinigung. "Wir erwarten hier weitere Marktaustritte. In der Versicherungswelt setzt sich nicht zwingend das beste Produkt durch, sondern meistens das mit der besten Kundenansprache", prognostiziert Nikolai Dördrechter, Geschäftsführer von Policen Direkt.
Ein Beispiel: "Bei der Kfz-Versicherung funktionieren digitale Vertriebsmodelle gut, weil solche Policen aktiv online gesucht und abgeschlossen werden. Viele Versicherungen werden aber vom Kunden weniger oder gar nicht aktiv nachgefragt. Da haben es die digitalen Vertriebsmodelle sehr viel schwerer", ergänzt Dietmar Kottmann, Partner bei Oliver Wyman, gegenüber der Wirtschaftswoche, welcher die Studie vorab vorliegt.
Dennoch ist der Anteil der ersten Marktaustritte in Deutschland von 63 Prozent Mitte 2016 bereits deutlich auf aktuell noch 41 Prozent gesunken, heißt es in der Studie weiter. Einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil haben dabei vor allem die Insurtechs, welche eine enge Bindung zum Kunden schaffen können. "Die betriebliche Altersvorsorge kann für Insurtechs ein guter Türöffner sein", betont Kottmann.
Dabei sind spektakuläre Abgänge im deutschen Markt eher selten, was die Studienautoren auch mit den geringen Investitionen in die Insurtechs erklären. Die spektakulärste Marktaustritt der letzten Monate war lediglich die Fusion des Versicherungsmaklers Knip mit dem niederländischen Technologieunternehmen Komparu und der Wechsel von Knip-Gründer Denis Just zur Ergo Direkt. Immerhin haben viele etablierte Player laut Studie die Zeichen der Zeit erkannt und gehen gegenüber den digitalen Start-ups von Konfrontation auf Kooperation über.
Laut einer Umfrage von Willis Towers Watson sind demnach Investitionen in Versicherungs-Startups weiterhin sehr gefragt. Allerdings hat sich der Fokus der Interessenten deutlich verschoben So lag das Investitionsvolumen mit 312 Mio. US-Dollar im dritten Quartal deutlich unter dem Rekordwert des vorherigen Quartals (985 Mio. US-Dollar). Dafür rücken China und die asiatischen Schwellenländer zunehmend in den Fokus. (vwh/td)
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