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Kreditversicherer wachsen und verdienen kräftig

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nach einem erneut wachstumsstarken und schadenarmen Jahr sehen die Kreditversicherer nur vereinzelt "dunkle Wolken" am Himmel. Eine davon ist der Richtlinienvorschlag der EU-Kommission für einen präventiven Restrukturierungsrahmen. "Sollte der aktuelle Entwurf umgesetzt werden, sind höhere Ausfälle bei den Lieferanten – und damit letztlich auch bei uns Kreditversicherern zu befürchten", sagt Thomas Langen.
"Restrukturierungsmaßnahmen machen Sinn, aber nicht so. Wir brauchen einen fairen Interessensausgleich zwischen Gläubigern und Schuldnern", betont der Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), der bei Atradius das Kreditversicherungsgeschäft in Deutschland, Mittel- und Osteuropa verantwortet. Bei der diskutierten Lösung drohten "Infektionsherde für die ganze Lieferkette" mit erheblichem volkswirtschaftlichen Schaden. Daher setze sich der GDV für zahlreiche Änderungen an der Richtlinie ein.
Nach den Überlegungen der EU-Kommission sollen der Insolvenz eines Unternehmens künftig ein geordneter Prozess der Restrukturierung vorangestellt werden. Alle Gläubiger müssten sich dann an einer Art Stillhalteabkommen beteiligen, bei dem ihre bisherigen unerfüllten Forderungen eingefroren würden, Sicherheiten wie der erweiterte Eigentumsvorbehalte unmöglich wären und bestehende Verträge fortgesetzt werden müssten. "Lieferant wären dann gezwungen bis zu einem Jahr weiter zu liefern, ohne zu wissen, ob sie dafür bezahlt werden. Der Markt sollte nicht an notleidende Unternehmen angepasst werden", kritisiert Langen.
Ein weiteres Problem sieht Langen beim Risikomanagement in vielen deutschen Großunternehmen. "Das aktive Managen von Risiken hat in vielen Unternehmen einen geringen Stellenwert", so Langen. Nur eine Minderheit der Unternehmen sichere sich gegen zentrale Risiken ab und je nach Risiko wüssten zwischen 20 und 29 Prozent der Entscheider nicht, ob sie versichert seien. Bei diesen Aussagen stützt sich Langen auf eine Umfrage, die Forsa bei 252 Großunternehmen (Jahresumsatz mindestens 50 Mio. Euro oder/und mehr als 250 Mitarbeiter) im Auftrag des GDV durchgeführt hat.
55 Prozent der Befragten hält eine Insolvenz unter ihren Abnehmern für unwahrscheinlich. Gleichwohl war fast jeder dritte Lieferant in den vergangenen zwei Jahren von einer Pleite eines Kunden betroffen. Knapp 90 Prozent glauben nicht an die Möglichkeit von Compliance-Verstößen ihrer Führungskräfte und 80 Prozent halten Betrugsversuche durch Mitarbeiter oder Geschäftspartner für unwahrscheinlich, obwohl jedes zehnte Unternehmen einen solchen Vertrauensschaden erlitten hat.
Der bisherige Schadenverlauf 2017 war für die Kreditversicherer günstig. Auf der Basis der ersten drei Quartale rechnen sie für 2016 mit einer Combined Ratio von 69 (68) Prozent. Die Schadenquote dürfte sich auf 48 (47) Prozent belaufen. Größere Schadenfälle waren bisher nur die Insolvenzen Lutz Fleischwaren mit neun Mio. Euro und Alno mit sieben Mio. Euro.
"Air Berlin ist für die Kreditversicherer kein Thema, weil die Gläubiger hier eher Privatkunden sind", so Langen. Dieser Hochrechnungen zufolge werden Ausfallrisiken von 453 Mrd. Euro (+ 2,0 Prozent) abgesichert. Die Zahl der Verträge der drei Sparten Delkredere, Kaution und Vertrauensschaden erhöhte sich um fünf Prozent auf 494.000 Policen. Die Beitragseinnahmen wachsen um wiederum zwei Prozent auf 1,69 Mrd. Euro. (lie)
Bild: Thomas Langen (Quelle: lie)
Grafikquellen: GDV
GDV · Kreditversicherer · Thomas Langen
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