Politik & Regulierung

Millionenbetrug bei den Krankenkassen?

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die gesetzlichen Krankenkassen verzeichnen derzeit dank guter Konjunktur und Zusatzbeiträgen einen Rekordüberschuss in Milliardenhöhe. Allerdings könnte es bei der Verwendung der Gelder nicht ganz mit rechten Dingen zugehen, glaubt man einem Bericht der Welt am Sonntag. Demnach geht die Staatsanwaltschaft Hamburg der Frage nach, ob mehrere Kassen bundesweit das Sozialsystem in betrügerischer Absicht geschädigt haben sollen.
Anlass dafür ist der sogenannte "morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich", auf dessen Grundlage die Beiträge der Versicherten auf die einzelnen Krankenkassen verteilt werden. Maßgeblich für die Verteilung der Gelder sind demnach laut Bericht zurzeit rund 80 ausgewählte Krankheiten. Dabei erhält jede Kasse rund 1.000 Euro für jeden Versicherten, bei dem eine der genannten Krankheiten diagnostiziert wird.
Genau darin scheint nun der "Casus Knacksus" zu liegen: So werfen die Ermittlungsbehörden den Kassen vor, in den vergangenen Jahren Ärzte und Beratungsfirmen dafür bezahlt zu haben, "dass bei Patienten Krankheiten diagnostiziert wurden, die diese vielleicht überhaupt nicht hatten oder die Ärzte deutlich übertrieben darstellten", heißt es weiter. "Das Ziel: den Umverteilungsmechanismus zu ihren Gunsten beeinflussen".
Um dieses Ziel zu erreichen, sollen immer mehr Kassen lediglich Rahmenverträge mit den Ärztevereinigungen geschlossen haben. Darin sei festgelegt worden, wie viel Geld ein Arzt für jede zusätzlich attestierte Krankheitsdiagnose erhalten haben soll. Laut Berechnungen der Zeitung belaufen sich diese Prämienzahlungen auf rund 842 Mio. Euro pro Jahr. Im Visier der Ermittler sollen laut Bericht neben der AOK Rheinland/Hamburg auch Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse (TK), stehen.
Der Bundesverband der AOK betonte auf Anfrage von VWheute: "Der Wissenschaftliche Beirat des Bundesversicherungsamts hat in seinem Sondergutachten zum morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) unter anderem Vorschläge gemacht, wie dieser manipulationsresistenter gestaltet werden kann".
"Im Mittelpunkt steht dabei die Einführung einheitlicher ambulanter Kodierrichtlinien, da die Morbidität ohne ambulante Diagnosen nicht ausreichend abgebildet werden kann. Dieses Anliegen unterstützen die AOKs ausdrücklich und haben zum Umgang mit ambulanten Kodierungen entsprechend des Heil- und Hilfsmittelgesetzes bereits im Juni 2017 gemeinsame Eckpunkte festgelegt", erläuterte eine Sprecherin des Verbandes.
Während der GKV-Verband den Bericht nicht kommentieren wollte, ließ die Techniker Krankenkasse eine Anfrage von VWheute bislang unbeantwortet. (vwh/td)
Bildquelle: Thorben Wengert / PIXELIO (www.pixelio.de)
GKV · Krankenkasse
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