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Bläsing: "Vor 20 Jahren gab es keine Vertriebsängste"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Es ist eine bemerkenswerte Karriere, die Dietmar Bläsing (58), Vorstandsprecher der Volkswohl Bund Versicherungen, vorweisen kann. Im Oktober feierte er sein 20-jähriges Jubiläum als Vertriebsvorstand des Maklerversicherers. VWheute sprach mit ihm u. a. über zwei Jahrzehnte im Dienste der Branche. Dabei bewertet er die Lebensversicherung als durchaus zukunftsfähig.
VWheute: Macht Vertrieb in volatilen Zeiten überhaupt noch Spaß?
Dietmar Bläsing: Besonders in volatilen Zeiten macht der Vertrieb von Versicherungsprodukten Spaß. Wir erleben gerade eine Zeit, in der vielen Menschen das Sparen kaum noch sinnvoll erscheint. Gleichzeitig droht die Regulatorik, uns aufzufressen. Und beim Thema Arbeitskraftabsicherung wird statt über sinnvollen Schutz viel lieber über die Ablehnung von Leistungsfällen gesprochen.
Ich meine, gerade jetzt ist es besonders sinnvoll, für den existenzsichernden Schutz zu werben, den wir Versicherer bieten. Gerade jetzt müssen wir uns im Vertrieb mit ganzer Kraft für unsere Produkte einsetzen und immer wieder den Nutzen betonen, den sie für das Funktionieren unserer Gesellschaft haben.
VWheute: Was sind die wesentlichen Eigenschaften eines Vertriebsvorstands?
Dietmar Bläsing: Das zu beurteilen, überlasse ich gerne anderen. Sicher gehören eine gute Bodenhaftung dazu und auch ein bisschen Demut, um doch zwei wichtige Dinge zu nennen.
VWheute: Gibt es Unterschiede in der Arbeit eines Vertriebsvorstands Ende der 90-er Jahre und in der aktuellen Zeit?
Dietmar Bläsing: Ja, da gibt es große Unterschiede. Vor zwanzig Jahren waren die Vertriebspartner sehr etabliert und noch ohne große Zukunftsängste unterwegs. Unsere Aufgabe war es vor allem, Menschen für unser Haus zu gewinnen und sie von unseren Produkten und unseren neuen Ideen zu überzeugen.
Heute müssen wir zuerst unsere eigenen regulatorischen Hausaufgaben lösen, und dann können wir unsere Vertriebspartner dabei unterstützen, ihrerseits alle gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Erst wenn das erledigt ist, können wir uns um den Wettbewerb kümmern und um die Frage: Für welchen Versicherer und für welches Produkt entscheidet sich der Vertriebspartner?
VWheute: Was war für Sie persönlich der größte Erfolg als Vertriebsvorstand?
Dietmar Bläsing: Ich durfte Anfang der 90er Jahre mithelfen, den Volkswohl-Bund vom reinen Ausschließlichkeits-Versicherer zu einem erfolgreichen Maklerversicherer zu machen.
VWheute: Gab es auch negative Erlebnisse?
Dietmar Bläsing: Zu erleben, wie trotz aller Bemühungen der Ruf und das Image der Versicherer und insbesondere der Versicherungsvermittlung immer stärker diskreditiert wurden, wurmt mich schon sehr. Versicherungsvermittler arbeiten für die Sicherheit der Menschen.
Und doch schließt die Öffentlichkeit bei den Versicherungsvermittlern immer wieder von einigen wenigen schwarzen Schafen auf die gesamte Branche. Dass das fast immer aufgrund von Vorurteilen passiert, merkt man, wenn die Menschen gefragt werden: und was ist mit ihrem Vermittler? Da kommt nämlich regelmäßig das Urteil: oh, ich hatte Glück. Meiner ist die Ausnahme. Mit dem bin ich sehr zufrieden.
VWheute: Hat die Lebensversicherung noch eine Zukunft?
Dietmar Bläsing: Natürlich. Vielleicht nicht mehr in ihrer alten Form, aber die vielen modernen Konzepte, die wir heute schon sehen, sind sehr überzeugend. Nehmen Sie unsere Indexpolice Klassik modern. Das vergangene Indexjahr hat den Versicherungsnehmern in beiden Indizes fast neun Prozent Rendite auf ihr Deckungskapital eingebracht. Auch unsere fondsgebundenen Rentenversicherungen laufen ausgezeichnet.
Und eines ist sicher: Auch nach einem Jahrzehnt Zinstief hat sich an der demografischen Entwicklung nichts geändert. Nach wie vor müssen die Menschen zusätzlich vorsorgen. Und die modernen Produkte, die wir ihnen hierfür anbieten, schaffen den Anreiz, den hierfür nötigen Konsumverzicht zu leisten.
Dazu kommen die wichtigen biometrischen Produkte, allen voran die der Arbeitskraftabsicherung, die wir ja auch zur Lebensversicherung zählen. Sie sind in ihrer Bedeutung und Notwendigkeit ohnehin über jeden Zweifel erhaben.
VWheute: Sie sagen, dass Sie sehr viele gute Ideen haben. Können Sie das eine oder andere nennen?
Dietmar Bläsing: Wir haben jede Menge Ideen. Eine davon ist, Versicherungsprodukte einfacher, verständlicher und transparenter aufzubauen und darzustellen. Tatsächlich haben wir damit schon begonnen. Wir haben im Juni die Dortmunder Lebensversicherung AG gegründet, die sich konsequent an strengen Vorgaben zur Einfachheit und Verständlichkeit orientiert. Das gleiche gilt für das erste Produkt der Dortmunder - Plan D, eine Grundfähigkeitsversicherung, die wirklich jeder auf Anhieb versteht, und für die wir am Markt viel Lob erhalten.
Plan D ist bereits sehr erfolgreich und übertrifft unsere ursprünglichen Erwartungen bei weitem. Diesen Weg wollen wir weiter gehen. Dabei konzentrieren wir uns auch in Zukunft auf die Absicherung von biometrischen Risiken. Wir möchten hier Produkte machen, die konsequent vom Kunden her gedacht sind und die individuell gestaltet werden können. Aber weiter wird der Sack heute nicht aufgemacht.
Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.
Bild: Dietmar Bläsing (Quelle: Volkswohlbund)
Volkswohlbund · Dietmar Bläsing
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