Politik & Regulierung

Chapecoense-Unglück: Angehörige verklagen Versicherer

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Vor einem Jahr starben 77 Menschen, darunter 19 Fußballer des südbrasilianischen Erstligisten Associacao Chapecoense de Futebol, bei einem Flugzeugabsturz der bolivianischen Fluggesellschaft LaMia. Deren Versicherer Bisa will nur 200.000 US-Dollar Entschädigung pro Familie auszahlen. Die Angehören lehnen das ab und haben Klage eingereicht. Um Kosten zu sparen, hatte die Airline bewusst wenig Sprit für den Flug eingeplant.
Am 29. November 2016 zerschellte die Unglücksmaschine am Berg "Cerro Gordo" vor der kolumbianischen Metropole Medellin. Chapecoense flog zum Final-Hinspiel der Copa-Sudamericana gegen Atletico Nacional. 71 von 77 Menschen an Bord starben - neben 19 Profis auch der damalige Trainer Caio Junior. Der Absturz 30 Kilometer vor dem Zielflughafen war eine Folge der leergeflogenen Tanks. Da überschüssiges Kerosin aus Sicherheitsgründen vor der Landung abgelassen werden muss, kalkulieren viele Fluggesellschaften aus Kostengründen mit minimaler Betankung.
Opfer aus Brasilien, ein Flugzeug aus Bolivien, der Unglücksort in Kolumbien – die komplexe Ausgangslage behindert die Entschädigungsauszahlung. Die bolivianische Regierung die Fluggesellschaft LaMia und deren Besitzer verantwortlich. Allerdings war der Eigner Miguel Quiroga selbst an Bord, starb als Pilot. Bisa Insurance, der Versicherer von LaMia, beharrte lange darauf, dass Flüge nach Kolumbien nicht versichert wären. Trotzdem will sich der Versicherer mit den Angehörigen einigen und bietet bisher 200.000 Dollar (168.000 Euro) pro Familie – unter der Voraussetzung, dass niemand die Fluggesellschaft LaMia anzeigt.  Die Hinterbliebenen lehnen das ab und haben die Interessen-Vertretung AFAV-C (Vereinigung der Familien der Opfer des Chapecoense-Fluges) gegründet. Sie fordern eine Entschädigungssumme in Höhe von 400 Mio. Dollar (335 Mio. Euro).
Für den brasilianischen Provinzverein aus dem ländlichen Bundesstaat Santa Catarina war das Erreichen des Finales vor dem Unglück der bis dato größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Dem Verein Chapecoense gelang im Folgejahr ein kleines Wunder. Obwohl fast die gesamte Mannschaft ums Leben kam, schaffte es den Klassenerhalt mit einem völlig neu zusammengesetzten Team aus Jugendspielern. (vwh/dg)
Bildquelle: dpa
Flugzeugabsturz · Chapecoens
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