Schlaglicht

Ergo will Lebensversicherer nicht verkaufen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Ergo hat die Gespräche zum Verkauf ihrer deutschen Lebensversicherungsgesellschaften mit Klassikbeständen beendet. Dies habe der Vorstand der Ergo Group AG am Dienstag nach intensiver Bewertung der unverbindlichen Angebote von Interessenten und unter Abwägung aller Optionen entschieden, teilte der Konzern kurzfristig am gestrigen Abend mit.
"Nach Auffassung von Ergo spiegelt sich der derzeitige Wert des Bestandes sowie dessen Wertentwicklungspotential in den Angeboten nicht angemessen wider. Daher werden wir unsere klassischen Lebensversicherungsbestände weiterhin unter eigener Regie verwalten", betonte Ergo-Vorstandschef Markus Rieß. So habe man eine Reihe von Angeboten erhalten, die man sorgfältig geprüft habe, betonte er in einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz am Dienstagabend. Laut Brancheninsidern habe die Ergo einen Kaufpreis von zwei Mrd. Euro verlangt. Allerdings habe das Höchstangebot lediglich bei einer Milliarde Euro gelegen. Entsprechende Spekulationen wollte Rieß aber "nicht kommentieren".
"Als Ergebnis dieser Prüfung ist die Ergo zu der Entscheidung gelangt, dass der zu erwartende Verkaufserlös das Wertentwicklungspotenzial nicht angemessen widerspiegelt. Vor diesem Hintergrund haben wir uns gegen eine zweite Phase des Verkaufsprozesses [...] entschieden", erläuterte Rieß. "Im Vordergrund stehen für uns jetzt weiterhin die Effizienzsteigerungen, vor allem durch eine konsequente IT-Migration, und die weitere Optimierung von Risikomanagement sowie der Kapitalausstattung der Lebensversicherung", ergänzte der Ergo-Vorstandschef weiter.
Dazu werde "man auch über Technologiepartnerschaften nachdenken", betonte Rieß. So werde man "auch in wenigen Wochen eine entsprechende Strategie und Entscheidung kommunizieren können". Vor wenigen Tagen wurde bereits darüber spekuliert, dass der Konzern Probleme habe, einen Käufer für die Abwicklung der Ergo Lebensversicherung AG und der Victoria Lebensversicherung AG zu finden. So habe prüfe man bereits seit einem Jahr, mit welchem Anbieter man ein neues IT-System installieren werde.
Medienberichte über eine Partnerschaft mit dem Technologiekonzern IBM wollte Rieß ebenfalls nicht kommentieren. So bestätigte er zwar entsprechende Gespräche mit verschiedenen Technologieanbietern, "aber ich möchte jetzt keinen Namen in den Mund nehmen", betonte der Vorstandschef des Düsseldorfer Versicherungskonzerns. Dennoch wolle man die IT-Migration so vorstellen, dass "man perspektivisch die Bestände von anderen Versicherungsgesellschaften übernehmen können", erläuterte Rieß.

Rieß lehnt Bestandskauf "kategorisch" ab

So halte die Ergo an ihrem bereits verkündeten Strategieprogramm fest, konstatierte Rieß. Dies beinhalte auch das Angebot nach einer entsprechenden IT-Migration "anderen Versicherern die Bestandsverwaltung anzubieten, um Synergien zu erzielen". Dies geschehe allerdings "im Sinne von Verwaltung und nicht im Sinne von 'Kauf'". Die Frage nach einer Übernahme und dem Kauf von anderen Lebensversicherungsbeständen gemeinsam mit der Munich Re beantwortete Rieß hingegen mit einem "kategorischen Nein". Dennoch halte es für sachgerecht, "wenn wir eine entsprechende Plattform herstellen, dass wir dann unsere eigenen Skills und die von anderen Häusern verbinden, um dann eine entsprechend leistungsfähige Operationsplattform herstellen zu können.
Ende September gab der Düsseldorfer Versicherungskonzern zunächst bekannt, die Ergo Leben (ehemals Hamburg-Mannheimer) und die Victoria Leben in den Run-off zu schicken. Dabei schien es der Konzern beim Verkauf der Altbestände zunächst durchaus eilig zu haben. So wollte die Ergo entsprechenden Medienberichten zufolge bereits Mitte November erste unverbindliche Offerten der Interessenten für den Kauf von rund sechs Millionen Lebensversicherungen der Ergo Leben und der Victoria einsammeln. Als mögliche Interessenten wurden die britische Resolution Group, der Schweizer Rückversicherer Swiss Re, sowie der britische Finanzinvestor Cinven gehandelt. Auch der Eigentümer des in Deutschland bereits aktiven Bestandsmanagers Viridium soll demnach bereits im Vorfeld signalisiert haben, diesem für größere Zukäufe frisches Kapital bereit zu stellen.
Bei der Belegschaft stießen die Pläne jedoch auf heftige Kritik. "Wir hatten eigentlich im letzten Jahr ein sehr weitreichendes Agreement zum Ergo-Strategieprogramm des Herrn Dr. Rieß. Teil dieses Agreement war auch eine Perspektive für die Organisationseinheit Leben Klassik innerhalb der Ergo. Insofern sehe ich das schon als Bruch dessen an, was wir miteinander verabredet hatten", lautete der Vorwurf von Betriebsratschef Marco Nörenberg im Exklusiv-Interview mit VWheute. (vwh/td)
Bild: Markus Rieß (Quelle: Ergo)
Ergo · Lebensversicherer · Run-off · Markus Rieß
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