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W&W: Adam Riese wächst aus den Kinderschuhen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Im Oktober ist die Württembergische mit ihrer Digitalmarke Adam Riese an den Start gegangen. Einst der Schutzheilige aller Rechengeplagten soll er nun eine junge Zielgruppe in die Arme der W&W treiben. Als erstes Produkt ihrer neuen digitalen Drittmarke schicken die Schwaben eine private Haftpflichtversicherung ins Rennen­. W&W-Experte Philipp Kordowich gibt gegenüber VWheute einen Einblick über die Entwicklung der neuen Marke.
Seit Ende Oktober 2017 ist die Wüstenrot & Württembergische-Gruppe (W&W) mit ihrer neuen Digitalmarke "Adam Riese" am Markt vertreten. Adam Riese richtet sich an Kunden, die Preise und Produkte über Makler oder selbst online vergleichen. Als erstes Produkt wird eine private Haftpflichtversicherung angeboten.
Voraussetzung für das volldigitale Angebot sind schnelle und effiziente Prozesse – entsprechend hoch sind auch die Anforderungen an die IT-Systeme. Deshalb entschied sich die W&W-Gruppe für ein neues Bestandsführungssystem, das in einem halben Jahr eingeführt wurde.
Vor der Entscheidung für ein neues Bestandsführungssystem wurde geprüft, ob die neue Marke auf dem bestehenden abgebildet werden kann. Dies wurde jedoch schnell verworfen. Das bestehende System deckt zwar die Anforderungen des bisherigen Geschäftsmodells gut ab, das Ende seiner technischen Lebenszeit ist jedoch abzusehen. Auch der an internen Prozessen orientierte Aufbau eignet sich nur bedingt für das digitale Geschäft.
Viele Anforderungen des digitalen Vertriebs – dazu zählen vor allem hohe Reaktionsgeschwindigkeit, Schnittstellen für Kunden und Vertriebspartner sowie weitreichende Möglichkeiten der Dunkelverarbeitung – wären nur sehr aufwändig zu realisieren gewesen.
Ein Bestandsführungssystem wird meist über mehrere Jahre hinweg eingeführt. Adam Riese sollte jedoch deutlich schneller an den Start gehen. Um dies zu ermöglichen, wurde konsequent auf eine Standardlösung gesetzt und deren definierte Standards und Abläufe so weit wie möglich übernommen.
Des Weiteren erfolgte der Systemaufbau "auf der grünen Wiese", wo immer möglich ohne Anbindung anderer Systeme. Nach einer Marktanalyse entschied sich die W&W-Gruppe für das Bestandsführungssystem Adcubum Syrius. Zentrales Entscheidungskriterium war vor allem der konsequente Ansatz einer Standardsoftware, bei der fachliche Anforderungen nicht durch Programmierung, sondern durch Parametrierung umgesetzt werden.
In einem Projekt wurde gemeinsam mit Adcubum das neue Bestandsführungssystem eingeführt und die Produkte von Adam Riese abgebildet. Zum Projektteam gehörten interne und externe Mitarbeiter, die sich gleichberechtigt fast ausschließlich um die Einführung kümmern konnten. Bereits nach nicht einmal fünf Monaten wurde der erste Versicherungsvertrag in einer "Family-and-Friends-Phase" policiert.
Es folgten weitere vier Monate bis zum Marktstart, die für den Ausbau der Prozesse, der Anbindungen zu ersten Vertriebspartnern und für abschließende Tests genutzt wurden. Während im Backend auf eine hohe Standardisierung geachtet wurde, wurde im Frontend eine stärkere Individualisierung zugelassen.
Die moderne Website inklusive Kundenportal hat das Projektteam individuell unter Nutzung etablierter Frameworks umgesetzt, über Service-Schnittstellen wird auf das Backend zugegriffen. Website inklusive Kundenportal laufen in der deutschen Cloud-Infrastruktur von AWS (Amazon).
Der Go-Live von Adam Riese ist gelungen, das erste Produkt in der vorgesehenen Zeit realisiert. In den kommenden Monaten werden auf dem neuen Bestandsführungssystem weitere Produkte für die Digitalmarke entstehen.
Doch das Projekt hat auch die Basis zur Erneuerung der Kompositversicherung in der W&W-Gruppe geschaffen. In den kommenden zwei Jahren wird Syrius Schritt für Schritt in die bestehende Systemlandschaft integriert. Ziel ist eine zukunftsfähige IT.
Ist dies erreicht, wird das neue Bestandsführungssystem gleichwertig neben dem bisherigem stehen. Dann besteht die Option, die Bestände auf das neue System zu migrieren und anschließend die alten Systeme abzuschalten. Die mit Adam Riese gesammelten Erfahrungen können in das Migrationsprojekt mit einfließen.
Die mehrstufige Umsetzung war Voraussetzung für den schnellen Start der neuen Digitalmarke, und sie ist auch Basis für die notwendige Erneuerung des Bestandsführungssystems und für eine nachhaltige Modernisierung der Anwendungslandschaft.
Bild: Philipp Kordowich, Enterprise Architecture Management der Wüstenrot & Württembergische AG (Quelle: W&W)
W&W · Adam Riese · Philipp Kordowich
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