Politik & Regulierung

LG Stuttgart: Bewährungsstrafe für Anton Schlecker

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Es war einer der größten Unternehmensinsolvenzen in der Geschichte der Bundesrepublik. Dementsprechend groß war das mediale Interesse am Prozess um den einstigen Drogeriemarkt-König Anton Schlecker. Nun hat das Landgericht Stuttgart das Urteil gesprochen: Wegen vorsätzlichen Bankrotts wurde der 73-Jährige zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 54.000 Euro verurteilt.
Schwerer hat es hingegen die Kinder des einstigen Drogerie-Unternehmers getroffen. Demnach soll Lars Schlecker soll für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Seine Schwester Meike Schlecker wurde zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt, unter anderem wegen Insolvenzverschleppung, Untreue und Betrugs.
Dabei sahen es die Richter am Stuttgarter Landgericht als erwiesen an, dass die Familie ihrem Konzern vor der Insolvenz im Januar 2012 Vermögen entzogen hat, um es vor dem Zugriff der Gläubiger zu schützen. "Alles deutet darauf hin, dass sie ab 2009 bereits damit gerechnet hatten und Vermögen gesichert haben", betonte der Vorsitzende Richter Roderich Martis in der Urteilsbegründung.
Besonders schwer wog der Vorwurf dabei gegen die Schlecker-Kinder: So hatten sich beide per Blitzüberweisung je 3,5 Mio. Euro von ihrem Unternehmen LDG auf Privatkonten transferieren lassen. Das Verfahren gegen Christa Schlecker wegen Beihilfe zum Bankrott wurde bereits im Mai gegen eine Geldauflage eingestellt worden.

Weitere Verfahren gegen die Schlecker-Familie

Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, da sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft Revision zum Bundesgerichtshof (BGH) beantragen können. Zudem beginnt in zwei Wochen im österreichischen Linz ein weiteres Zivilverfahren gegen Schleckers Ehefrau Christa und die beiden Kinder.
Dabei geht es Medienberichten zufolge um Schadenersatz-Forderungen des Insolvenzverwalters der ehemaligen Schlecker-Tochterfirma Dayli. In einem weiteren Verfahren vor dem Landgericht Zwickau fordert der Insolvenzverwalter eines früheren Schlecker-Personaldienstleisters ebenfalls Geld von der Schlecker-Familie zurück.
Laut Bayerischem Rundfunk hat die Schlecker-Familie rund 14 Mio. Euro an Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz zurückgezahlt, davon zehn Mio. Euro im Rahmen eines Vergleichs. Weitere vier Mio. Euro flossen kurz vor Prozessgewinn als "Schadenswiedergutmachung".
Kritik gab es im Laufe des Prozesses auch an der Rolle von Euler Hermes, dem Hauptgläubiger im Verfahren. Der Vorwurf: Der Kreditversicherer hat die Probleme bei Schlecker erkannt, aber wenig dagegen unternommen haben. (vwh/td)
Bildquelle: Photocapy
Schlecker · Insolvenz · Landgericht Stuttgart
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