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Run-off: Ergo will mit IBM Altbestände selbst abwickeln

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Der Düsseldorfer Versicherer Ergo hat Probleme einen Käufer für die Abwicklung der Ergo Lebensversicherung AG und der Victoria Lebensversicherung AG zu finden.  Der Konzern erwägt nun eine interne Lösung und will selbst ins Run-off-Geschäft einsteigen. Eigens dafür plant Ergo mit dem Software- und Beratungshaus IBM ein Gemeinschaftsunternehmen zu gründen, um Leben-Policen anderer Versicherer aufzukaufen.
Danach wollen IBM und Ergo ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, das bis zu 80 Prozent vom Versicherer getragen werden soll und bis zu 20 Prozent von dem Beratungshaus. Diese neue Gesellschaft könnte dann nicht nur die eigene Konzern-Bestandsabwicklung übernehmen, sondern zusätzlich auch die von ähnlich betroffenen Lebensversicherern. Im Kauf von Lebensversicherungsbeständen wittern Investoren ein Milliarden-Geschäft. Sie geben vor, die aufgekauften Verträge rentierlicher zu führen als es offensichtlich die verkaufenden Gesellschaften konnten. Mit Ergo, Victoria und Generali sind zurzeit rund elf Millionen Verträge im Angebot.
Bekannt ist, dass sich Ergo in Verhandlungen mit Run-off-Investoren über den Verkauf der Bestände der beiden Tochter-Unternehmen befindet. Allerdings liegen die hohen Forderungen des Düsseldorfer Versicherers – die unbestätigt rund zwei Mrd. Euro betragen sollen - weit von dem entfernt, was sich die Aufkäufer vorstellen könnten. Außerdem dürfte die Finanzaufsicht Bafin sehr genau hinschauen, bevor diese eine Erlaubnis zum Verkauf erteilt.
Hinter dem neuen Vorhaben steckt ein altbekanntes Problem der Ergo. Das Unternehmen braucht ohnehin für die Verwaltung der rund sechs Millionen klassischen Lebensversicherungen im geschlossenen Bestand dringend ein neues IT-System. Eine Modernisierung und Erneuerung der IT-Plattform soll in einem ersten Schritt zu einer effizienteren Verwaltung führen, heißt es aus dem Unternehmen. Darüber hat Ergo mit verschiedenen Anbietern gesprochen. Ziel sei die gemeinsame Entwicklung einer modernen IT-Plattform zur Verwaltung des internen klassischen Lebensversicherungsgeschäftes. Nach Branchen-Informationen soll der Zuschlag an IBM, gemeinsam mit dem Münchener Softwareanbieter msg-Gruppe, gehen. Nähere Einzelheiten wollte Ergo jedoch nicht bestätigen.

Kommt nun der intern-externe Run-off?

Jetzt könnte man gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen, in dem ein neues Gemeinschaftsunternehmen Ergo/IBM die neue, sehr kostspielige IT auch dazu nutzt, um anderen Versicherern die Bestands-Verwaltung anzudienen. Damit würde man selbst in den vermeintlich milliardenstarken "Run-off"-Markt einsteigen. Für die Munich Re, Mutter-Konzern der Ergo-Gruppe, dürfte eine schwere Last abfallen, wenn diese Möglichkeit gelingt.
Die Aussagen von Ergo-Deutschlandchef Andreas Kassow erscheinen damit in einem anderen Licht: "Die Prüfung, ob wir den Verkaufsprozess mit einigen ernsthaften Interessenten weiterverfolgen, wird voraussichtlich mindestens bis Ende November dauern. Die Antwort auf die Frage, ob wir tatsächlich in eine Transaktionssituation hineinkommen, wird länger brauchen. Beschlossen sei, die klassische Lebensversicherung vom übrigen Geschäft zu separieren. Diese organisatorischen Veränderungen führten dazu, jetzt mehrere Optionen zu haben, zum Beispiel auch die Übernahme von Verwaltung für Dritte, das sogenannte 'Third-Party-Administration-Geschäft'", so Kassow. (wo)
Bildquelle: Ergo
Ergo · Run-off
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