Köpfe & Positionen

EZB: "Kaufen verstärkt von europäischen Versicherern"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Dass sich die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Geldpolitik nicht nur Freunde macht, ist hinlänglich bekannt. EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré warnt hingegen vor einer "Überlastung" der EZB und hofft auf ein baldiges Ende der umstrittenen Anleihekäufe, von denen auch Versicherer profitieren. Aber: "Es gibt eine sehr breite Übereinstimmung im Rat, dass die Geldpolitik weiterhin unterstützend bleiben muss."
"Die wirtschaftliche Entwicklung in Europa ist die stärkste der vergangenen zehn Jahre und breiter gestreut als in den letzten 20 Jahren. Aber die Inflation ist immer noch schwach. Es gibt Anzeichen, dass sie anzieht, doch die Preisentwicklung braucht nach wie vor die Unterstützung der Geldpolitik", erläutert Cœuré gegenüber dem Handelsblatt. Dennoch glaubten viele, "dass die Effektivität unserer Geldpolitik nun weniger von den monatlichen Ankäufen abhängt".
Zudem habe "der Bestand unserer Anleihekäufe schon heute einen erheblichen Einfluss auf die Finanzierungsbedingungen hat. Das heißt, wir können Monat für Monat weniger kaufen ohne dabei die Effektivität unserer Ankäufe zu beeinträchtigen", betont der französische Ökonom. Zudem habe sich der Fokus der Anleihekäufe in den vergangenen zwei Jahren verändert.
"Am Anfang des Programms im Jahr 2015 haben wir viele Anleihen von Investoren aus Übersee gekauft. Heute kaufen wir mehr und mehr von europäischen Versicherern und Pensionsfonds, die die Papiere gekauft haben, um sie zu halten, zum Beispiel aus regulatorischen Gründen. Daher sind sie nur zu einem höheren Preis bereit zu verkaufen", erläutert Cœuré. Dies habe zur Folge, "dass jeder Euro, der in die Ankäufe fließt, einen stärkeren Effekt auf die Zinsen hat. Außerdem werden wir über einen langen Zeitraum auslaufende Anleihen reinvestieren."
Dennoch hofft der europäische Notenbanker auf ein Ende der Anleihekäufe im September 2018. "Das wirtschaftliche Umfeld verbessert sich, Preisdruck baut sich auf und wir brauchen die monatlichen Käufe immer weniger. Daher können wir hoffen, dass die im Oktober beschlossene Verlängerung des Programms die letzte war", gibt sich Cœuré optimistisch. (vwh/td)
Bild: EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré (Quelle: EZB)
EZB · Geldpolitik · Anleihekäufe
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