Politik & Regulierung

Pforzheimer Derivate-Prozess endet mit Schuldsprüchen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Urteil gegen Oberbürgermeisterin und Ex-Kämmerin der Stadt Pforzheim ist gefällt. Das Landgericht Mannheim verurteilte die ehemalige Oberbürgermeisterin Christel Augenstein (FDP) wegen unerlaubter und verlustreicher Derivategeschäfte zu 20 Monaten Haft, die ehemalige Kämmerin Susanne Weishaar erhielt 24 Monate – beide Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.
Die beiden Verurteilten hatten während ihrer Zeit in Amt und Würden mit dem Kauf von Derivaten der Stadt über zehn Jahre lang Verluste in Millionenhöhe beschert, insgesamt wohl 58 Mio. Euro. Das Geld sei aber laut Medienberichten nach Vergleichen mit den Banken wieder auf den Konten der Stadt. Augenstein wurde wegen Untreue in drei Fällen schuldig gesprochen, die in Verbindung mit der Bank J. P. Morgan stehen. Weishaar wurde darüber hinaus wegen zwei weiterer Vorgänge mit der Deutschen Bank verurteilt.
Laut Augstein sei die Stadt Opfer "intransparenter Geschäfte vertrauenswürdiger Banken" geworden. "Es gab keinen Anlass, an den Angeboten zu zweifeln", betonte die ehemalige Oberbürgermeisterin, die von Wolfgang Kubicki, ebenfalls FDP, vertreten wurde.

(Zu) wenig Reue?

Die Kämmerin erklärte zu dem Prozess laut Pforzheimer Kurier: "Ich bedauere das sehr, dass der Stadt Pforzheim so ein gravierender Schaden entstanden ist. Ich habe mir das wahrhaftig anders gedacht." Augenstein wurde mit den Worten zitiert: "Ich habe immer uneigennützig und im Interesse der Stadt gehandelt." Zumindest bei dem letzten Teil des Satzes sind Zweifel angebracht.
Im Endeffekt ist es für die beiden Beschuldigten noch verhältnismäßig glimpflich ausgegangen, die Staatsanwaltschaft hatte wegen dem Verstoß gegen das kommunale Spekulationsverbot mehrjährige Haftstrafen gefordert. Die Richter begründeten die Bewährung mit der zuvor weißen Weste der beiden Damen und einer günstigen Sozialprognose. Beide Beschuldigte wollen in Revision gehen. (vwh/mv)
Bild: I-vista / www.pixelio.de / PIXELIO
Urteil · Derivate · Untreue
Auch interessant
Zurück
15.03.2018VWheute
BGH: Sal. Oppen­heim-Chefs rechts­kräftig verur­teilt Einer der spektakulärsten Rechtsfälle der jüngeren Finanzgeschichte ist nun zu Ende gegangen. …
BGH: Sal. Oppen­heim-Chefs rechts­kräftig verur­teilt
Einer der spektakulärsten Rechtsfälle der jüngeren Finanzgeschichte ist nun zu Ende gegangen. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Urteile gegen vier Manager von Sal. Oppenheim bestätigt (Az.: 2 StR 416/16). Sie waren wegen …
08.08.2017VWheute
Prozess­auf­takt: Pforz­heimer Ex-OB zockte mit Swaps Ende 2016 waren die öffentlichen Haushalte laut Statistischem Bundesamt mit 2.005,6 Mrd. Euro …
Prozess­auf­takt: Pforz­heimer Ex-OB zockte mit Swaps
Ende 2016 waren die öffentlichen Haushalte laut Statistischem Bundesamt mit 2.005,6 Mrd. Euro verschuldet. Kein Wunder, dass mancher Stadtkämmerer die Finanzen seiner Gemeinde mit diversen Geschäften aufzufrischen versucht - …
22.12.2016VWheute
"Soli­dar­ge­mein­schaft endet auch ohne Block­chain" Big Data, Blockchain, Risikoanalyse – Begriffe, die in jedem Gespräch über die Zukunft der …
"Soli­dar­ge­mein­schaft endet auch ohne Block­chain"
Big Data, Blockchain, Risikoanalyse – Begriffe, die in jedem Gespräch über die Zukunft der Branche fallen. Wie nutzt ein Unternehmen Daten optimal und werden in Zukunft die Versicherungsrisiken individualisiert werden? VWheute…
26.09.2016VWheute
Verdacht auf Untreue: Maschmeyer verklagt Claassen Machtkampf zwischen zwei Freunden und mächtigen Wirtschaftsbossen um die Medizintechnikfirma …
Verdacht auf Untreue: Maschmeyer verklagt Claassen
Machtkampf zwischen zwei Freunden und mächtigen Wirtschaftsbossen um die Medizintechnikfirma Syntellix. In einer Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Hannover bezichtigt AWD-Gründer Carsten Maschmeyer den früheren Sartorius- …
Weiter