Politik & Regulierung

Die "Generation Mitte" treibt die Sorge um die Rente

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Obwohl sich die 30- bis 59-jährigen Deutschen im Großen und Ganzen zufrieden mit ihrer Lebenssituation fühlen, treibt sie die Sorge um die finanzielle Absicherung ihres Ruhestandes um. So lautet das Ergebnis der Studie "Generation Mitte", die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) und das Institut für Demoskopie Allensbach (IfD) in Berlin vorstellt haben.
Gut drei Viertel aller Deutschen (79 Prozent) sind laut Studie mit ihrer augenblicklichen Lebenssituation zufrieden oder sogar sehr zufrieden, vier Prozent mehr als 2016. Für 40 Prozent hat sich in den letzten fünf Jahren die Situation sogar verbessert, eine Verschlechterung sehen 17 Prozent.
An die neue Bundesregierung haben die Befragten unter anderem die Forderung, das Gesundheitssystem zukunftsfest und weiterhin bezahlbar zu machen (84 Prozent), die Unterschiede zwischen Arm und Reich zu vermindern (79 Prozent) sowie die Altersvorsorge an die zunehmende Alterung der Gesellschaft anzupassen (76 Prozent).

Ein Drittel fürchtet deutliche Abstriche am Lebensstandard

Dass die staatliche Rente wahrscheinlich nicht für die Sicherung des Lebensstandards im Alter ausreicht, hat sich unter den Deutschen offenbar herumgesprochen. Wie die Studie "Generation Mitte" zeigt, rechnen 24 Prozent mit einigen und 34 Prozent mit deutlichen Abstrichen. Für 14 Prozent bedeutet die staatliche Rente höchstens eine minimale Existenzabsicherung, für neun Prozent noch nicht einmal das. Dennoch ist die Bereitschaft privat vorzusorgen nach wie vor gering.
Nur 37 Prozent der gut 1.000 Befragten halten ihre Alterssicherung für ausreichend. Von den anderen sagen 62 Prozent, dass sie kein Geld haben, um es fürs Alter auf die Seite zu legen. "Das betrifft längst nicht nur Menschen aus sozial schwächeren Schichten, sondern auch solche, die vom Verdienst her mehr Altersvorsorge betreiben könnten", merkte IfD-Geschäftsführerin Renate Köcher an.

Bewusstsein für Eigenverantwortung immer noch gering

Umfangreich ist dagegen der Forderungskatalog der Befragten an die Politik zur langfristigen Sicherung des Rentensystems. 71 Prozent fordern, dass alle Berufsgruppen in ein einheitliches staatliches Rentensystem einzahlen sollen. Eine umfangreichere Förderung der privaten und betrieblichen Altersvorsorge halten 58 Prozent für erforderlich.
Für eine Erhöhung des Rentenalters und der Steuern, um Förderungen bezahlen zu können, plädieren dagegen nur jeweils sieben Prozent. "An diesen Ergebnissen erkennt man, dass viele Bürger keinen Ansatz für sich finden, ihre Altersvorsorge zu betreiben“, schlussfolgerte GDV-Präsident Wolfgang Weiler.

40 Prozent planen Finanzen kurzfristig

Bedenklich sei auch, dass die Bürger ihre finanzielle Vorsorge immer weniger langfristig planen. War es 2015 noch knapp ein Drittel der Befragten, die einen Planungshorizont von weniger als fünf Jahren haben, sind es in diesem Jahr bereits 40 Prozent. Vor dem Hintergrund, dass die Menschen statistisch fast ein Viertel ihres Lebens (20 Jahre) im Ruhestand verleben, sei die Frage längerer Lebensarbeitszeiten aktuell wie nie. Denn zusammen mit der demografischen Entwicklung sei das eine Herausforderung, die für jedes Altersvorsorgesystem schwer zu lösen sei. Alle drei Säulen müssten ihren Beitrag leisten.
Wenn Menschen länger arbeiten sollen – nur sieben Prozent wollen das gegenwärtig, während 29 Prozent früher aufhören und 24 Prozent nur bis zum eigentlichen Renteneintritt arbeiten wollen – dann müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Für fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) geben höhere Rentenansprüche den Ausschlag. "Für sehr viele ist aber eine höhere Zeitautonomie wichtig wie kürzere und flexible Arbeitszeiten und keine Überstunden mehr", merkte Renate Köcher an.

Betriebsrenten werden auf breitere Basis gestellt

Gute Noten gab GDV-Präsident Weiler den Neuerungen in der betrieblichen Altersversorgung (bAV) nach dem Betriebsrentenstärkungsgesetz. Er hob vor allem die Verbesserungen bei der Entgeltumwandlung hervor sowie die Tatsache hervor, dass sich Mitarbeiter in Betrieben künftig bewusst gegen eine bAV entscheiden müssen.
"Ich bin überzeugt, dass sich die Maßnahmen positiv auf Verbreitung und auf das Volumen der bAV auswirken werden", erklärte er. Bei den Riesterrenten komme es jetzt darauf an, die Verträge und das Procedere schlanker, effizienter und weniger bürokratisch zu gestalten. (epo)
Bild: GDV-Präsident Wolfgang Weiler bei der Vorstellung der neuen Studie zur "Generation Mitte". (Quelle: epo)
GDV · Renate Köcher · Allenbach-Studie Generation Mitte · Generation Mitte · Wolfgang Weiler
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