Politik & Regulierung

Versicherungskrimi um fingierten Autounfall

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Fünf Angeklagte, ein Frei-, ein Schuldspruch und ein fünfjähriges Verfahren, das wohl ins Sechste gehen wird. Das alles bietet ein Versicherungsbetrug der seit fünf Jahren in Hattingen verhandelt wird (Nordrhein-Westfalen). Scheinbar wollten mehrere Personen mit einem gefälschten Autounfall Kasse machen. Der Fall ist äußerst komplex, auch weil der Drahtzieher im Dunkeln bleibt.
Der Prozess läuft bereits fünf Jahre und beschäftigt Amts-, Landes- und Oberlandesgericht. Bis zum Abschluss könnte noch eine Weile dauern, denn es sind längst nicht alle Fragen geklärt. Die Vorgeschichte klingt banal, ein Fahrer eines Kleintransporters war im Oktober 2012 in der Stadt Sprockhövel gegen am Straßenrand geparkte Autos gefahren. Die teils hochwertigen Fahrzeuge wurden mitunter schwer beschädigt, als der Fahrer sie rammte, angeblich wegen plötzlichem Unwohlsein. Der Gesamtschaden beläuft sich auf über 61.000 Euro.
Die Fahrzeuge standen aber nicht zufällig an dieser Stelle. Einer der Angeklagten bestätigte jetzt vor Gericht, sein Auto nach Anweisung eines Dritten dort abgestellt zu haben. Der dahinterliegende Deal ist schnell zusammengefasst, der Versicherung wird der Schaden gemeldet, das Geld kassiert und die Reparatur zu einem Spottpreis durchgeführt. Das übrige Geld wird, mehr oder weniger, fair zwischen Auftraggeber und angeblich Geschädigtem aufgeteilt.

Und was nun?

Soweit die Theorie. In der Praxis waren die Versicherer allerdings auf Draht und ermittelten schnell– wohl auch mit Detektiven, wie lokalkompass.de meldet. Der geständige Betrüger, der die Hintermänner nicht nennen will, wurde zu einer Geldstrafe wegen vorsätzlichen Betruges in Höhe von 1.500 Euro verurteilt. Damit ist der Fall aber nicht abgeschlossen, denn es fehlen ja noch vier Angeklagte.
Einer ist fein raus, er konnte glaubhaft belegen, warum er sein Auto an der Stelle abgestellt hatte. Bei den anderen Angeklagten ist die Sachlage kompliziert, denn laut Gutachten sollen die Schäden an den Autos nicht nur durch das einfache Streifen des Kleintransporters entstanden sein. Für einige Beschädigungen hätte der Wagen zurücksetzen müssen, wofür aber zwei funktionierende Achsen von Nöten sind, die der Transporter nach dem ersten "Streifen" nicht mehr vorweisen konnte.
Einige der Anwälte der Geschädigten vermuten sogar ein drittes involviertes Fahrzeug. Dieses mysteriöse Phantomfahrzeug könnte beteiligt gewesenen sein, sei aber möglicherweise aufgrund der "nicht professionell erstellten Unfallaufnahme der Polizei" entkommen. Da Zeit geduldig ist, wird der Prozess gegen die drei weiteren Angeklagten fortgesetzt und der Gutachter des Ingenieurbüros eingeladen, der die Unfallrekonstruktion durchführte.
Vielleicht bringt seine Version ja Licht ins Dunkle. Der geständige Täter dürfte die Chancen der anderen Angeklagten, die sich angeblich nicht kennen, allerdings nicht zwingend verbessert haben. Wer nach dem Hintermann der Betrüger fahndet, wurde nicht klar. (vwh/mv)
Bild: Altstadt Hattingen (Quelle: Thomas Max Müller /www.pixelio.de / PIXELIO
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