Köpfe & Positionen

"Kein Insurtech wird den deutschen Markt aufmischen"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Insurtechs spielen derzeit eine immer größere Rolle auf dem Markt. Und dennoch: "In naher Zukunft wird kein Insurtech-Unternehmen den deutschen Markt aufmischen", glaubt Ulrich Pasdika, Deputy Chairman of the Board des Gründernetzwerks Insurlab Germany, im Exklusiv-Interview mit VWheute. Beeindruckt zeigt er sich vom chinesischen Versicherer "Zhong An. Der hat aus dem Nichts Milliarden von Policen verkauft."
VWheute: Sehr geehrter Herr Pasdika, Sie arbeiten hauptberuflich bei der GenRe im internationalen Lebensgeschäft. Warum gibt es Insurlab Germany?
Ulrich Pasdika: Wir wollen kleineren und mittleren Versicherern, die kein millionenschweres Technologieprogramm auflegen können, einen alternativen Zugang zur Gründerszene bieten.
VWheute: Gibt es eine Bedrohung aus dem Ausland für die deutsche Branche?
Ulrich Pasdika: Nein. Nach meiner Einschätzung wird in naher Zukunft kein Insurtech-Unternehmen den deutschen Markt aufmischen. Doch wir müssen gewappnet sein. Immerhin gibt es Anzeichen, dass Internetgiganten, wie Amazon, vielleicht doch stärker ins Versicherungsgeschäft eindringen könnten. Bisher wurden hier nur Annexversicherungen verkauft. Doch noch lassen sich die großen Internetanbieter nicht in die Karten schauen. Für Rückversicherer werden wir, auch im Rahmen von Insurlab Germany, die Blockchain-Technologie thematisieren.
VWheute: Welche Innovation im Ausland haben Sie beeindruckt?
Pasdika: Besonders beeindruckt hat mich der chinesische Versicherer Zhong An. Der hat aus dem Nichts Milliarden von Policen verkauft. Das ist aber eher ein Technologieunternehmen und eng mit dem Verkaufsportale Alibaba verbunden. Mit unserem neuen Netzwerk wollen wir den deutschen Assekuranzen eine Chance bieten, aus ihrer defensiven Haltung auszubrechen.
VWheute: Was ist ein Pitch-Day und wie unterscheidet er sich vom Insurhack?
Thorsten Oletzky: Beim heutigen Pitch-Day im Rahmen der Exec-Insurtech präsentieren Startups ganz klassisch ihre Konzepte vor potentiellen Kooperationspartnern und Kapitalgebern.
In beiden Fällen – also auch bei unserem Pitch-Day gibt es Preise zu gewinnen. Junge Startups, die die Jury überzeugen, können ein halbes Jahr kostenlos hier Büroräume nutzen. Für reifere Unternehmen, die schon ein echtes Produkt haben, finanzieren wir eine Investorenkurzreise nach Berlin, London oder Tel Aviv.
VWheute:: Wer entscheidet über die Preise?
Torsten Oletzky: Die Jurys bestehen aus Beratern, Kennern der Insurtech-Szene und Investoren. Alle haben Versicherungsverstand, daher brauchen wir nicht in jeder Jury einen direkten Versicherungsvorstand.
VWheute: Wie entwickeln Sie das Co-Working mit Assekuranzen?
Torsten Oletzky: Wir werden mindestens vier themenbezogene Veranstaltung pro Jahr durchführen. So könnte künstliche Intelligenz ein Schwerpunkt sein. Die Fraggestellungen sollen Startups dann direkt mit Versicherern diskutieren. Oft gibt es dann vielleicht für sechs Wochen ein Proof of Concept, also ein Projektmanagement. Das könnte in unseren Räumen passieren, ist aber nicht zwingend. Wir sind so etwas wie ein Heiratsvermittler zwischen Versicherern und Startups.
VWheute: Sie kooperieren mit dem israelischen Netzwerk Sosa / FinTLV. Was bringt das?
Thorsten Oletzky: Mit künftig fünf Vollzeitmitarbeitern wird Insurlab Germany nicht die deutsche und die weltweite Startup-Szene beleuchten können. Wir brauchen daher einen starken internationalen Partner. Sosa / FinTLV ist schon sehr gut im Rennen. Das Unternehmen hat verschiedene Standorte weltweit und kann Startups auch virtuell über eine Innovationsplattform einbinden. Wir können hier sehr viel lernen. Zudem ist die Kooperation sehr günstig.
VWheute: Es gibt in Berlin, Leipzig und München Konkurrenz Labs. Gibt es ein Rennen um die Versicherer?
Torsten Oletzky: Nein. Es reicht für alle. Die verschiedenen Gründungen zeigen den Bedarf. Wir sind jedenfalls breit aufgestellt und haben heute 35 Mitglieder und wachsen weiter. Wir wollen jetzt erst mal mit unserem Geschäft starten und erfolgreich werden. Gleichzeitig sprechen wir schon heute freundlich mit anderen.
VWheute: Sie ziehen sich persönlich zurück, wenn der hauptamtliche Geschäftsführer kommt. Werden Sie Chef eines disruptiven Versicherers, der die Branche aufrollt?
Torsten Oletzky: Nein. Ich will nicht mehr zu 110 Prozent für ein Unternehmen arbeiten, sondern mich breit aufstellen. Insurlab Germany werde ich als ehrenamtlicher Berater weiter zur Verfügung stehen aber auch in einer Hochschule tätigt sein.
Die Fragen stellte VWheute-Korrespondent Uwe Schmidt-Kasparek.
Bild: Ulrich Pasdika, Deputy Chairman of the Board und Torsten Oletzky, Geschäftsführer, anlässlich der Eröffnung der Insurlab Germany. (Quelle: usk)
insurlab
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