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Brexit: Wiener rechnet mit Cliff-Edge-Szenario

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
In Brüssel haben die EU-Staaten erstmals über die Zeit nach dem Austritt Großbritanniens beraten. Allerdings sind die Brexit-Gespräche wegen des Streits um das liebe Geld praktisch festgefahren. GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener geht daher "schon aus kaufmännischer Vorsicht heraus nur von einem Cliff-Edge-Szenario" aus. Denn: "Für eine Einigung liegen die Interessenslagen von UK und EU wohl auch zu weit auseinander", konstatiert der Ökonom.
"Wenn wir vom Cliff-Edge-Szenario ausgehen, müssen einige deutsche Versicherer jetzt darüber nachdenken, Tochtergesellschaften in Großbritannien zu gründen. Ansonsten laufen sie Gefahr, nach einem Brexit nicht mehr legitimiert dort arbeiten zu können. Damit einher gehen aber höhere Kosten", erläutert Wiener in einem GDV-Interview, dass VWheute vorab vorliegt. Demnach wären Bestandsverlagerungen zwar "auch eine Alternative", betont Wiener. "Doch die Anträge hierfür müssen schnell gestellt werden", so der Chefvolkswirt des Branchenverbandes.
"Mit Blick auf die gesamte Versicherungswirtschaft dürfte die deutsche Seite weitaus weniger betroffen sein als die britische. UK-Versicherer haben die Möglichkeiten des so genannten Passportings sehr viel stärker genutzt als EU-Versicherer, und auch weitaus mehr Verträge - vor allem auch Lebensversicherungsverträge - auf dem Kontinent verkauft", konstatiert Wiener weiter.
Demgegenüber sei "das Passporting-Geschäft aus Deutschland heraus, bezogen auf die Gesamtbeitragseinnahmen der unter BaFin-Aufsicht stehenden Erstversicherer, gering. Es macht insgesamt – für alle Länder des Europäischen Wirtschaftsraums – nur 2,25 Prozent der Gesamtbeitragseinnahmen aus. Auf UK entfallen davon 0,68 Prozentpunkte".
Alamiert seien sie Versicherer dennoch: "Unser Verband wie auch der europäische Versicherungsverband Insurance Europe haben Brexit-Task-Forces eingerichtet. Ebenso übrigens der Bundesverband der Deutschen Industrie, an der sich der GDV ebenfalls beteiligt. Daher fordert Wiener "schnellstmöglich klare Rahmenbedingungen – für die europäischen Unternehmen, vor allem aber für die Anleger. Als einer der größten Investoren Deutschlands haben wir Versicherer natürlich kein Interesse an Nervosität an den Märkten, ganz zu Schweigen von einer Fortsetzung des massiv gestörten Zinsgefüges. Die würde unsere Branche im Zweifel mittelbar viel stärker treffen, als die unmittelbaren Folgen eines Brexit". (vwh/td)
Bild: GDV-Chefvolkswirt Klaus Wiener (Quelle: GDV)
GDV · Brexit · Klaus Wiener
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