Köpfe & Positionen

Cyber: Prämienvolumen könnte auf 20 Mrd. Euro ansteigen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Das Eigenrisiko der Versicherer bei Cyberangriffen ist für Jan-Oliver Thofern, Vorstandschef von Aon Benfield Deutschland, eine heikle Angelegenheit. Die Vorstellung, das Management einer Bank würde erleben, dass Kontodaten im Netz abrufbar wären, mache deutlich, worum es gehe. Auch Versicherer lebten vom Vertrauen der Kunden. Im Finanzbereich bestehe besonderer Handlungsbedarf, um sich vor Angriffen zu schützen. 
Allerdings gebe es immer mehr Firmen, die sich darüber intensiv Gedanken machen würden. Aon schätzt, dass das Prämienvolumen im Wachstumsmarkt Cyber in den kommenden Jahren auf 20 Mrd. Euro ansteigen wird. Der Manager ist davon überzeugt, dass trotz der Zunahme an dramatischen Vorfällen, Terrorrisiken auch künftig noch versicherbar sind.
Er macht das daran fest, dass die Preise für Erst- und Rückversicherungsschutz sich immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau bewegten. Nach den Ereignissen von 2001 in New York habe sich Terror stärker auf "weiche" Ziele verlagert, die häufig nicht Gegenstand der klassischen Versicherung seien. Allerdings könnte Cyber-Terrorismus schnell die Grenzen der Versicherbarkeit erreichen. Aon unterstütze die Versicherer bei der Risikoeinschätzung durch die Bereitstellung technischer Modellierungen.
Zum Thema Digitalisierung hat Thofern eine ernüchternde Meinung. Er glaubt, dass die Generation Y und Z Versicherungen mehr oder weniger schnell mitnehmen wolle, ohne lange Termine mit einem Außendienstler machen zu müssen. Das erfolge dann in aller Regel online. Die neuen Start-Ups müssten aber erst einmal Kunden gewinnen, um Erfolg zu haben. Selbst wenn der digitale Anbieter bei Google weit oben gelistet sei, bedeute das noch lange keinen Abschluss.
Die Vertriebskosten seien deshalb am Anfang sehr signifikant. Es werde sicher einige gute Geschäftsmodelle geben, allerdings schließt Thofern nicht aus, dass dann viele davon von Versicherern gekauft werden. Der Experte hält die Start-Ups eher für einen Katalysator der Branche, der Veränderungen initiiere. Ein Bedrohungspotenzial kann er (noch) nicht erkennen. Die jungen Unternehmen würden aber den Digitalisierungsprozess in der Branche beschleunigen. (wo)
Mehr zum Thema lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft.
Jan-Oliver Thofern · Aon Benfield Deutschland
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