Köpfe & Positionen

Jacobus: Run-off ist Kollateralschaden für die Branche

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Die Run-off-Pläne von Generali und Ergo bezeichnet Rainer M. Jacobus, Vorstandschef der Ideal, als Kollateralschaden für die Branche. Die Politik differenziere nicht, pauschaliere vielmehr und laste das Thema allen an. Neben ihm sprechen sich auch Volkswohl-Bund-Chef Dietmar Bläsing und der Nürnberger-CEO Armin Zitzmann für den Erhalt des eigenen Lebengeschäfts aus und lehnten einen Run-off für ihre Häuser strikt ab.
Jacobus sieht in diesem Zusammenhang vor allem Probleme bei der geplanten Neujustierung der Zinszusatzreserve, was nunmehr erschwert werden könnte. Gerade die Vermittler, die einstmals ihre Kunden von der Richtigkeit privater Vorsorge überzeugten, hätten jetzt Erklärungsbedarf, betonte Zitzmann.
Das sei vor allem deshalb schade, weil die meisten Gesellschaften nicht nur an ihren Beständen festhielten, sondern auch weiterhin das Neugeschäft betreiben würden. Für Bläsing stellt sich die Bekanntgabe der Run-off-Pläne als große Kommunikationspanne dar, da Kunden und Vermittler davon erst aus den Medien erfahren hätten.
Selbst in einer schwierigen Phase könnte sich die Branche mit großem Selbstbewusstsein zur privaten Altersvorsorge mit Lebensversicherungen bekennen. Die Kombination aus Garantien und Biometrie würden gute Chancen bieten. Bläsing erwähnte, dass Fondspolicen mit Garantien in 2017 „sehr erfolgreich liefen“.
Reiner Will, Geschäftsführer der Rating-Agentur Assekurata, sprach von rational nachvollziehbaren Gründen, in den Run-off zu gehen, kritisierte aber die Öffentlichkeitsarbeit. Das scharfe Aufsichtsrecht in Deutschland schütze die Verträge, zum Beispiel vor einer Auslagerung nach China. Der Experte unterstrich, dass der Verkauf der Bestände große Intransparenz schaffe. Das betreffe u.a. Informationen über die Deckungsstock-Anforderungen oder die Bereitstellung ausreichender Sicherungsmittel.
Zudem würden die Investoren ganz sicher nicht mehr an Studien, zum Beispiel zur Überschussbeteiligung, teilnehmen. Will verwies darauf, dass es in den meisten Gesellschaften Bewegung gebe, um das konventionelle Lebensversicherungs-Geschäft umzubauen. Der Großteil des Marktes wolle aber an verringerten Garantien im klassischen Modell festhalten. Er appellierte an die Branche, auch Altkunden und Vermittler ernst zu nehmen, Bezogen auf das Thema Transparenz mahnte Will, sich nicht nur auf das Neugeschäft zu fokussieren. Kunden würden die Erfüllung ihrer Verträge erwarten. Das schaffe Vertrauen und werde sicher auch von der Politik gewürdigt, wenn es um Verbessrungen bei der Zinszusatzreserve gehe.
Auch Oliver Fellmann, Geschäftsführender Gesellschafter bei M.A.R.K Versicherungsmakler, bemängelte die Öffentlichkeitsarbeit und stellte die Frage, warum ausländische Investoren das Lebensversicherungs-Geschäft besser betreiben könnten als die Versicherer selbst. Der Investor habe auf keinen Fall den Kunden mehr im Fokus.  Er warnte die Kunden davor, ihre Policen vorzeitig zu kündigen, da sie mit ihren Garantie-Verträgen bei ihren Gesellschaften gut aufgehoben seien. Im Übrigen sprach sich auch Fellmann für den Erhalt von Garantien aus, da die Kunden das so wollten. (wo)
Bild: Rainer M. Jacobus, Vorstandsvorsitzender Ideal (Quelle: Ideal)
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