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Chinas Versicherer wollen HSH Nordbank nicht kaufen

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Neun Monate nach dem Beginn wird an diesem Wochenende die Schlussrunde für den Verkaufsprozess der HSH Nordbank eingeläutet. Chinas Versicherer Anbang und der Mischkonzern HNA mit seinen Versicherungstöchtern sind überraschend aus dem Bieterwettbewerb ausgeschieden. Chinas Aufseher fürchten anscheinend, dass die Auslandsakquisitionen viele Versicherer in den Ruin treiben könnten.
An diesem Wochenende wird das Schicksal der HSH Nordbank besiegelt. Für die Bewerber läuft am Freitagabend die Frist ab, um ein verbindliches Angebot für die Bank vorzulegen. Im Rennen sind dem Vernehmen nach die fünf anglo-amerikanische Finanzfonds Cerberus, Apollo, Lone Star, Flowers und Socrates. Offiziell äußert sich keiner dazu.

Die HSH war in der Finanzkrise 2008 ins Straucheln geraten, wurde von den Bundesländern gerettet, leidet aber bis heute unter der andauernden Schifffahrtskrise. Die EU-Kommission entschied, dass Hamburg und Schleswig-Holstein einen Käufer für die HSH Nordbank finden müssen – oder diese abwickeln. Die Bank selbst geht davon aus, dass es keinen Käufer für die ganze HSH geben wird, sondern nur für ihre zwei Teile: Die profitable Kernbank, in der das Firmenkunden- und das Immobiliengeschäft gebündelt sind, könnte an ein anderes Geldhaus gehen. Die defizitäre Abbaubank, in der die meisten faulen Schiffskredite lagern, könnte an einen Finanzinvestor verkauft werden.

"Die Altlasten sind gruselig", sagte Stefan Ermisch, Vorstandschef der Krisenbank HSH Nordbank, vor gut einem Jahr. Ob der Verkauf gelingt, hängt davon ab, ob Bieter in der Restbank mehr Wert sehen, als sie die Altlasten noch kosten dürften. Für das Gesamtjahr rechnet Ermisch mit einem Gewinn von 120 Mio. Euro. Da sich die Zahlen verbessern, steigt auch das Interesse der Fonds an der Bank. Private-Equity-Fonds hält Ermisch für die richtigen Partner. "Gerade in Phasen des Umbruchs haben sich Finanzinvestoren weltweit oft engagiert und als Katalysatoren für die Konsolidierung einer Branche gewirkt", sagte er der Wirtschaftswoche.

Allianz im Visier der Chinesen

Ermisch dürfte froh darüber sein, dass die heißen Favoriten für die Übernahme der Bank abgesprungen sind. Chinas Schwergewichte Anbang und die HNA Group zeigten zuletzt starkes Interesse. Doch auf Druck der chinesischen Regierung sind viele M&A-Deals geplatzt - zuletzt Anbangs Übernahme des US-Lebensversicherers Fidelity & Guaranty Life. Der Staat kritisiert schon lange, dass die Gelder ins Ausland strömen und nicht zur Wirtschaftsbelebung im Inland investiert werden. Doch Chinas Versicherer sehen gerade im Ausland viel Potenzial. Aufgrund der rückläufigen Rendite von Inlandsinvestitionen sind Zukäufe in die USA und Westeuropa besonders beliebt.
Der Mischkonzern HNA, der 10 Prozent an der Deutschen Bank hält, sorgte zuletzt mit ein Allianz-Kaufangebot für Schlagzeilen. Chen Feng, Gründer des chinesischen HNA-Konglomerats, soll laut Medienberichten direkt beim Allianz-Management angefragt haben, "ob ein Einstieg als Ankeraktionär, ja sogar als Mehrheitseigentümer, denkbar" sei. HNA will an die Milliardenreserven des Versicherers, die gesetzlich vorgeschrieben sind, praktisch aber nie gebraucht werden. Mit diesem Geld ließen sich auch andere Aktivitäten finanzieren. HNA hat im Ausland mehr als 40 Mrd. US-Dollar investiert. Zu dem Vermögen gehören auch der Regionalflughafen Hahn im Hunsrück, ebenso eine Beteiligung an den Hilton-Hotels. (vwh/dg)
Bild: Hauptquartier der HNA Group auf der südchinesischen Insel Hainan (Quelle: hy)
China · Anbang · HNA Group · HSH NORDBANK
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