Schlaglicht

Harald Christ verlässt Ergo für die SPD

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ergo-Chef Markus Rieß ist überrascht, dass nach nur zwei Jahren Harald Christ (45) seine Rolle als Vorstandsvorsitzender der Ergo Beratung und Vertrieb AG sowie als Vertriebsvorstand der Ergo Deutschland aufgibt. Christ fühlt sich zu Höherem berufen und will die SPD aus ihrem Tief holen. Seine Motivation ist auf den Aufstieg der Rechtspopulisten zurückzuführen. "Das Gebaren der AfD ist unerträglich", sagt Christ.
Den überraschenden Schritt wertet der in Politik und Wirtschaft gut vernetzte Manager als eine sehr persönliche Entscheidung, die ihm nicht leicht gefallen sei. Dennoch habe er seit seinem Eintritt bei Ergo die Umsetzung des Strategieprogramms im Vertrieb maßgeblich vorangebracht und mit seinen Teams trotz erheblicher struktureller Veränderungen in der Ausschließlichkeitsorganisation Ergebnisse über Plan erzielt. "Damit habe ich meine Aufgabe erfüllt. Es gibt nur noch den einen Ergo-Vertrieb", begründet Christ sein Ausscheiden.  "Ich werde mich in Zukunft stärker in meinen Unternehmen engagieren und mehr Freiheit für mein soziales und politisches Engagement haben", erklärte Christ gegenüber VWheute.
Auch seine politischen Tätigkeiten seien nur schwer mit denen eines Ergo-Vorstandsmitgliedes vereinbar. Er ist Mitbegründer und im Präsidium des Wirtschaftsforums der SPD. Bekannt wurde der Vertriebsexperte 2009 als Anwärter für das Amt des Wirtschaftsministers im Schattenkabinett des damaligen Kanzlerkandidaten Frank Walter Steinmeier. Es wird erwartet, dass sich Christ wieder stärker in der SPD engagieren wird.
Christ sieht sein politisches Betätigungsfeld in Rheinland-Pfalz, bekräftigte er gegenüber der Allgemeinen Zeitung Mainz. Eine nachhaltige Option ist dabei die Erringung eines Bundestagsmandats in einem rheinland-pfälzischen Wahlkreis. Er wolle dafür kämpfen, so Christ, dass die SPD bis 2021 neue Stärke gewinnt. "Ich will für einen inhaltlich geprägten Politikstil stehen. Ich finde den Aufstieg und das Gebaren der AfD unerträglich. Dabei gibt es enorm viele AfD-Wähler, die nicht Rechtspopulisten unterstützen wollen, sondern sich von den schwächer werdenden Volksparteien nicht verstanden und nicht abgeholt fühlen", erklärt er der Zeitung.
Christ bleibt im Aufsichtsrat der Ergo
Der vorzeitige Absprung von Ergo erfolgt offensichtlich im besten Einvernehmen. Christ bleibt im Aufsichtsrat des Reiseversicherers ERV, einer Ergo-Tochter und wechselt zum 1. Januar 2018 vom Vorstandsvorsitz in den Aufsichtsrat der Ergo Beratung und Vertrieb AG. Außerdem ist er weiterhin Vorsitzender der Ergo-Stiftung. Sein Ausscheiden hatte sich im Sommer noch nicht angedeutet, Christ sprach im August noch von der Schulung des Vertriebs.
Über seine konkreten Pläne will Christ erst in Kürze informieren. Noch in diesem Jahr will er eine eigene gemeinnützige Stiftung gründen. Sein Millionen-Vermögen verdiente Christ durch den Börsengang der Kapitalanlagegesellschaft HCI Capital. Zu seinem Besitz gehört die Custodia Trust-Gruppe, zu der unter anderem den Gesellschaften Conomus Treuhand sowie Custodia Treuhand- und Vermögensverwaltung gehören.
Olaf Bläser (48), Mitglied des Vorstands der Ergo Beratung und Vertrieb AG, übernimmt den Vorsitz des Vorstandes und folgt Harald Christ auch in den Vorstand der Ergo Deutschland. AG. (wo/dg)
Bild: Harald Christ verlässt Ende des Jahres den Vorstand der Ergo Deutschland. (Quelle: Ergo)
Ergo · Vertrieb · Harald Christ
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