Politik & Regulierung

Bedingungen regeln, ob Sturmschadenbaum versichert ist

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Gerät ein Baum aufgrund eines Sturmes in akute Schieflage, muss er gefällt werden. Ist das ein Sturmschaden wie eine Klägerin in München glaubt oder hat der Versicherer recht, der die Zahlung ablehnt? Ein Fall für die Gerichte, die die Wichtigkeit des Wortlauts der Versicherungsbedingungen betonen. Der konkrete Fall: Im März wütet Sturm Niklas und lockerte eine Scheinzypresse auf einem Grundstück in München.
Der Baum drohte auf das Haus der Klägerin zu fallen, die Lokalbaukommission München stellte akute Umsturz- bzw. Bruchgefahr fest und fällte das Gewächs. Das Beseitigen des Baumes kostete rund 1.500 Euro, die die Klägerin von ihrer Wohngebäudeversicherung erstattet sehen wollte.
Sie vertrat die Ansicht, dass "der Sturm und die dadurch verursachte Schieflage des Baumes im Zeitraum vor dessen Beseitigung ein von der Versicherung umfasster Schadensfall" war. Die Versicherung sah das anders, wodurch der Fall vor dem Amtsgericht München landete.
Der zuständige Richter wies die Klage ab: "Ein Versicherungsfall ist vorliegend nach dem Wortlaut der Versicherungsvereinbarung noch nicht eingetreten, da der gefällte Baum durch das zwischen den Parteien unstreitige Sturmereignis weder vollständig umgestürzt war, noch das versicherte Gebäude beschädigt hat."
Weiter heißt es: "Nach dem Wortlaut der Versicherungsbedingungen sind Schäden ersatzfähig, die dadurch entstehen, dass der Sturm (...), Bäume (...) auf versicherte Sachen wirft". Der Baum befände sich im vorliegenden Fall infolge des Sturmes "lediglich in Schieflage über dem Haus der Klägerin" und war nicht auf das Gebäude geworfen worden.
Grundsätzlich seien nach den Bedingungen Maßnahmen zur Abwendung eines unmittelbar drohenden versicherten Schadens oder einer Minderung erstattungsfähig, ein solches Szenario liege in diesem Fall aber nicht vor. Von einem unmittelbar bevorstehenden (erneuten) Versicherungsfall, also Umsturz oder Bruch durch einen neuen Sturm, könne nicht ausgegangen werden.
Laut Gericht könnte die Scheinzypresse auch wegen anderer Umwelteinflüssen oder aufgrund der Schwerkraft fallen. "Dass sich der Baum bereits gute zwei Monate in Schwebelage über dem Haus der Klägerin befand, ist kein hinreichendes Argument gegen einen zu erwartenden Umsturz etwa aus eigener Schwerkraft", so das Urteil (Az.: 155 C 510/17). (vwh/mv)
Bild: Scheinzypresse (Quelle: Karl-Heinz Liebisch / PIXELIO / www.pixelio.de)
Gerichtsurteil · Wohngebäudeversicherung · Baum
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