Märkte & Vertrieb

Baden-Baden: Vier Kumulschäden und keine Trendwende

Von Dominic EggerTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Harvey, Irma und Maria waren heftig. Ob sie zusammen mit dem Erdbeben in Mexiko ausreichen, für eine Trendwende bei den Rückversicherungsprämien zu sorgen, zeigt sich diese Woche. Doch bereits am ersten Verhandlungstag offenbart sich hier der Dissenz zwischen Erst- und Rückversicherern. Als Beinahe-Übersprungshandlung sprechen viele lieber über einen Markt, den es in Europa noch gar nicht gibt.
Enttäuschen muss Munich Re-Vorstand Herman Pohlchristoph die im "LA8" versammelten Journalisten. Hatten sie doch auf konkrete Schaden-Zahlen zum letzten, in NatCat besonders heftigen dritten Quartal gehofft. Doch Munich Re will sich nicht als "Front runner" betätigen, erklärt der Neuzugang im Vorstand des Rückversicher. Die Schadenschätzung sei gerade in den Hurrikane-Gebiete sehr zeitaufwendig, da Flut- und Windschäden getrennt erfasst werden müssten.
Das Jahr 2017 werde wohl an dritter Stelle der teuersten Schaden-Jahren der letzten zwölf Jahre im Segment Naturkatastrophen (NatCat) stehen, erklärt Herman Pohlchristoph – nach Hurrikanjahr 2005 und dem Jahr 2011 mit der Katastrophe in Fukushima und dem Erdbeben in Australien.
"Rückversicherungsgeschäft ist sehr volatil und nur dann profitabel, wenn der Preis stabil ist", sagt Pohlchristoph und gibt die Losung für die nächsten Tage in Baden-Baden aus: "Wir erwarten, dass die Preise zu einem risikoadäquaten Niveau zurückkehren." Das gelte weltweit für den Bereich der Schaden-Versicherung, schließlich seien die Preise global korreliert. Die Kapazitäten verknappen will Pohlchristoph selbst im Hurrikan-gebeutelten US-Geschäft nicht: "Unser Risikoappetit bleibt auf dem gleichen Niveau wie zuvor."
Cyber, Cyber, Cyber
Statt über die genauen Schadenzahlen der nahesten Vergangenheit spricht der ehemalige IT-Experte wie viele andere in Baden-Baden lieber über die Zukunft - oder er dafür hält: Cyber. Zehn Prozent des Marktes, sprich 260 Mio. US-Dollar, rückversichern die Münchner. Bis 2020/21, so die Prognose, soll sich der bisher rund 2,6 Mrd. US-Dollar schwere Markt vervierfachen. Munich Re will sein Cyber-Geschäft bis dorthin ebenfalls mit dem Faktor vier multiplizieren, den Marktanteil von zehn Prozent will Pohlchristoph halten.
Bisher gibt es nur in den US einen nennenswerten Markt für Cyber-Versicherung, 80 bis 90 Prozent des Marktes spielt sich in den USA ab, das allerdings mit einer Dynamik bei Munich Re, die an einen Kick-Start erinnert: Wurden im Jahr 2015 noch Kapazitäten von 76 Mio. US-Dollar bereitgestellt, waren es im Jahr darauf schon 127 Mio. US-Dollar. "Wir investieren heftig in diesem Gebiet", erklärt Pohlchristoph. "Nicht jeder kann in diesen Markt."
E+S setzt auf deutschen Mittelstand
Doch auch die Hannover Rück, genauer ihre Deutschland-Tochter, in personam Vorstandsmitglied Michael Pickel schielt auf den Cyber-Markt für kleine und mittlere Unternehmen (KMUs). In ein bis zwei Jahren schon – so die Prognose des Unternehmens -  werde es ein erweitertes Angebot an reinen Cyber-Deckungen für KMUs geben. Von diesen will E+S über 15 Prozent, den durchschnittlichen Marktanteil der Hannover Rück, verkaufen. Auch die Hannoveraner gehen davon aus, dass die Rückversicherungsprämien nicht mehr tiefer rutschen bei dieser Erneuerung.
Vielmehr werden sie nach der Ansicht von Pickel steigen – und zwar über alle Sparten hinweg. Die starken Belastungen durch die Naturkatastrophen in Nordamerika und Mexiko wird er dabei nicht als Argument ins Felde führen können: Im Portfolio der Hannover Rück spielt das NatCat-Geschäft mit nur fünf Prozent eine untergeordnete Rolle. (de)
Bildquellen: de
Hannover Rück · Munich Re · Rückversicherung · Baden-Baden · E+S · Rückversicherungstreffen
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