Köpfe & Positionen

El-Erian: "Niedrigzinsen unterhöhlen Versicherungen"

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Wenn Mohamed El-Erian spricht, hört man zu. Der frühere Chef von Pimco und aktuelle Chefberater steht aktuell mehreren Medien Rede und Antwort zum globalen Finanzgeschehen. Er glaubt an die Kraft des Schockmoments, sei es bei der Kur von Anlegern vor zu großem Risikohunger oder vor Selbstzufriedenheit bei der politischen Kaste. Niedrigzinsen seien schlecht für Versicherer und Pensionskassen.
Gegenüber dem Handelsblatt und Spon erläutert der Ökonom, dass die EZB ihre Niedrigzinspolitik überdenken sollte. Die Wirtschaft belebe sich gerade und die niedrigen Zinsen würden die Anleger zu höheren Risiken verleiten. Außerdem würden Niedrigzinsen das Finanzsystem "schädigen" und Versicherungen und Pensionskassen "unterhöhlen". El-Erian führt aus: "Die moderne Weltwirtschaft kann nicht dauerhaft mit negativen Zinsen funktionieren. Erstens brauchen die Privathaushalte langfristig sichere Finanzprodukte. Sie brauchen eine funktionierende private Altersvorsorge."

Heilende Schocks und Zusammenarbeit – außer beim Brexit

Aktuell befürchtet El-Erian, dass die Politiker wegen der anziehenden Wachstumsraten zu "Selbstzufriedenheit neigen" könnten. Eine Krise oder Schock sei notwendig, damit sich die politischen Entscheider wieder auf die "wichtigen Dinge" fokussieren. Damit der überspannte Appetithunger der Anleger gezügelt wird, empfiehlt der Allianz-Mann ebenfalls einen "schweren" oder eine "ganze Reihe" kleinerer Schocks.
Die Staaten ruft El-Erian zu mehr Zusammenarbeit auf, diese sei im Moment so schwach "wie seit Jahren nicht mehr". Das gilt aber nicht für die Parteien im Brexit: "Wenn zwei Leute verheiratet sind, aber ein grundlegend unterschiedliches Verständnis davon haben, was diese Ehe bedeutet, dann ist es vielleicht besser, man lässt sich scheiden", erklärt El-Erian. Großbritannien habe die EU als Freihandelszone gesehen, die EU sah "politische und soziale Integration".

Ungleichheit als Grundübel

"Nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung profitiert von den Vorteilen des Wachstums. Das Ergebnis ist das, was ich die Dreifaltigkeit der Ungleichheit nenne: Ungleiche Einkommen, ungleiche Vermögen und ungleich verteilte Chancen", mahnt El-Erian und fordert bessere Verteilung. (vwh/mv)
Bildquelle: Allianz
Allianz · Pimco · Mohamed El-Erian · Umverteilung
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