Köpfe & Positionen

Industrie 4.0 kann Versicherer obsolet machen

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Die vierte industrielle Revolution bringt auch erhebliche Veränderungen für die Versicherungsbranche mit sich. So befinden sich nicht nur die Bedürfnisse der Kunden im Wandel. Auch die Versicherer selbst laufen Gefahr, obsolet zu werden. Publizist und Trendforscher Shawn du Bravac sieht den entscheidenden Schritt nach der Digitalisierung von Daten vor alle in der digitalen Vermessung der physischen Welt.
Die exponentielle Leistungssteigerung von digitalen Techniken ermögliche die Vermessung und Erfassung praktisch aller Aspekte des täglichen Lebens beispielsweise mit Hilfe von Sensoren, betonte der Experte auf dem Ferma-Kongress in Monaco. Für Unternehmen bedeute das in letzter Konsequenz, dass Digitalisierung Arbeitsprozesse verändere, d.h. die analoge Welt an sich sich wandele.
Dies bedeute Chance und Risiko gleichermaßen, meint du Bravac. Die Chance auf eine bessere, interessantere Arbeitswelt, in der unangenehme Arbeiten wegdigitalisiert seien und das Risiko, dass heutige Fähigkeiten von Arbeitnehmern in der Zukunft nicht mehr gefragt seien.
Rianne Baumann, Vice President Global Markets bei Schadenregulierer Crawford sagt denn auch, dass die zukünftige Hauptaufgabe der Schadenregulierer bei den komplexen Schäden zu finden sei, die nicht mit künstlicher Intelligenz reguliert werden könnten. Digitalisierung bei den Versicherungsnehmern führe zu zunehmend komplexeren Schadenszenarien.
Dabei sei die Haftungsfrage beispielsweise bei autonomer Mobilität und Nanotechnologie ungeklärt. In Europa stehe der traditionell starke Verbraucherschutz der Idee entgegen, statt des Verursachers den Hersteller haftbar zu machen. Auch Datenschutz hemme in Europa - anders als in den USA - die Digitalisierung, da die Verwendung der Daten überwacht werden müsse.
Hilary Browne, Head of Liabilities bei AIG UK, warnt aus Versicherersicht davor, dass Gefahren der Digitalisierung kein Frequenz-, sondern ein Großschadenrisiko bedeuteten. Denn wenn es knalle, dann richtig. Ein ernstes Problem beispielsweise von Cyber-Deckung ist das Serienschadenkumul. Angesichts der weitgehenden Vernetzung aller Dinge ist der aggregierte Schaden beispielsweise eines Hacker-Angriffs kaum begrenzbar. AIG UK arbeite mit Versicherungsnehmern daran solche Exponierungen noch besser zu verstehen. (Martin Winkel)
Bild: Shawn du Bravac auf dem Ferma-Kongress in Monaco. (Quelle: Martin Winkel)
Ferma-Kongress
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