Märkte & Vertrieb

Makler beklagen digitale Kommunikation mit Versicherern

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Nur Versicherer, die eine schnelle und medienbruchfreie Kommunikation mit Versicherungsmakler herstellen können, sind noch wettbewerbsfähig. Versicherungsmakler und Pools übten an der derzeitigen digitalen Aufstellung der Assekuranzen deutlich Kritik. "In der Praxis ist bisher nur 50 Prozent der Front-End-Digitalisierung umgesetzt", sagte Christina Schwartmann auf einer Fachkonferenz in Düsseldorf.
Nach Einschätzung der Praktikerin hapert es bei der digitalen Maklerkommunikation an allen Ecken und Kanten. So sei die Bestandsdatenlieferung ebenso unbefriedigend, wie die Datenqualität oder die Zuordnung von Provisionen. Ähnliche Kritik äußerte Dirk Borsetzky, Chief Operating Officer bei der Ecclesia Holding GmbH aus Detmold. "Wir handeln bei der Auswahl der Produktpartner längst nach der Maxime, das der Prozess die Provision schlägt", erläuterte der IT-Experte des Großmaklers. Das gelte heute zwar noch nicht für komplexe Versicherungslösungen, bei dem man oft noch froh sei überhaupt eine Deckung zu bekommen.
Bei Standardprodukten würden aber die Kundenselektion auf Basis guter Prozesse immer deutlicher. BCA-Expertin Christina Schwartmann, zuständig für IT und Geschäftsprozess, malte ein düsteres Bild der aktuellen Kommunikation zwischen Assekuranzen und Versicherungsmaklern. So würden die Versicherer nicht nur oft falsche Prämien liefern, sondern sogar Daten, bei denen die wichtigsten Felder gar nicht besetzt wären. Über die Partner mit guten digitalen Prozessen würden heute daher Bestände konsolidiert. "Ich kann meinem Kunden klarmachen, dass er drei Euro mehr zahlen muss, wenn ich ihm den entsprechenden Service biete", so Schwartmann.

Bipro ist die Rettung

Auf keinen Fall wären sogenannte Maklerportale der Versicherer eine Lösung für die tiefgreifenden Kommunikationsprobleme. So würde beispielweise Ecclesia mit rund 150 Versicherern zusammenarbeiten und sei nicht in der Lage, mit den unterschiedlichen Portalen der Versicherer zu arbeiten. "Teilweise haben die Versicherer zudem ihre Portale gar nicht im Griff", kritisierte Borsetzky. Zudem würde das Portal bei der Axa anders bedient als das der Allianz. Als Lösung sieht der Versicherungsmakler und die Pool-Expertin nur die Entwicklung von Schnittstellen auf Basis der Normen des Vereins BiPRO an. Bei der praktischen Umsetzung von Schnittstellenprojekten sei es sehr sinnvoll einen externen Berater mit Erfahrung an seiner Seite zu haben. Borsetzky: "Das macht die Sache zwar teurer, lohnt sich aber".

Makler brauchen Prozessoptimierer

Beim täglichen technischen Spagat zwischen vielen Produktgebern, suchen Versicherungsmakler immer öfter die Lösung aus einer Hand, glaubt Schwartmann. Sie sieht daher gute Marktchancen für Pools mit einer klaren Strategie als Prozessoptimierer. So würde ihr Haus Makler umfassend unterstützen. "Unsere Makler erwarten, dass sie aus ihrem System alles automatisch erstellen können", so Schwartmann.
Das gelte von der Homepagegestaltung bis hin zum direkten Ausdruck eines Flyers über eine Werbeagentur aus dem Kundenverwaltungssystem. Zudem müsse der Makler seine Marke in den Vordergrund stellen können, was White-Label-Lösungen erfordere. Versicherungsmakler hätten heute bei ähnlichen Produkten die Wahl am Markt. Daher würden Produktpartner mit der besten Digitalisierung gewinnen. (usk)
Bild: Dirk Borsetzky und Christina Schwartmann auf der MCC-Konferenz "IT-Optionen" in Düsseldorf. (Quelle: usk)
IT-Optionen · Dirk Borsetzky · Christina Schwartmann
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