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AIG erleidet hohe Verluste durch US-Hurrikans

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Kürzlich haben die US-Finanzaufseher den US-Versicherungsriesen AIG aus der strengeren Aufsicht für systemrelevante Finanzinstitute entlassen. Die Freude darüber trübt jedoch die teure Hurrikan-Saison. Für das dritte Quartal rechnet der Konzern mit Kosten von bis zu 3,1 Mrd. Dollar vor allem im Zusammenhang mit "Harvey“, "Irma" und "Maria". Für das Mexiko-Beben kalkuliert der Versicherer mit weiteren Katastrophenschäden von rund 150 Mio. Dollar.
Für den Hurrikan "Harvey" veranschlagt das New Yorker Unternehmen 1 bis 1,2 Mrd. Dollar, für "Irma" 1,0 bis 1,1 Mrd. Dollar und für "Maria" 600 bis 700 Mio. Dollar. Die Aktie fiel nachbörslich.
AIG war einst der größte Versicherer der Welt. Nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers 2008 geriet der Konzern aber in Schieflage und wurde von der US-Regierung mit 182 Mrd. Dollar vor dem Aus gerettet. Das Geld hat das Unternehmen inzwischen zurückgezahlt. Ferner ist AIG nicht mehr "too big to fail" - als zu groß, um sie pleite gehen zu lassen. Der Ausschuss für die Aufsicht über die Finanzstabilität (Financial Stability Oversight Council - FSCO) entschied vergangene Woche, den Konzern nicht mehr als besondere Gefahr für das Finanzsystem einzustufen. Der Ausschuss stimmte mit 6 gegen 3 Stimmen dafür, AIG unter anderem nicht mehr den verschärften Kapitalregeln für solche Unternehmen zu unterwerfen.
Auch der Weltmarktführer Münchener Rück hatte wegen der Schäden Fragezeichen hinter seine Gewinnprognosen gesetzt, ebenso die Talanx mit ihrer Tochter Hannover Rück. Die Nummer zwei der Branche, Swiss Re, hat infolge der Stürme bisher keine Abstriche an ihren Gewinnerwartungen gemacht. Es sei noch zu früh, um die finanziellen Auswirkungen abzuschätzen, hiess es Ende September. "Irma” und "Harvey" kosten Lloyd’s etwa 4,5 Mrd. Dollar, erklärte CEO Inga Beale, auf das Gesamtjahr wird die Versicherungsbörse rote Zahlen schreiben.
Der französische Rückversicherer Scor geht davon aus, dass die Versicherer weltweit für die Schäden aus den Wirbelstürmen insgesamt mit 95 Mrd. Dollar einstehen müssen, berichtete VWheute. Scor selbst kommt glimpflich davon und rechnet im dritten Quartal aufgrund der Katastrophen mit 430 Mio. Euro beim "net of retrocession" und Steuern.
Eine Katastrophe, die so groß ist, dass sie den Markt drehen könnte – darauf hofften Rückversicherer bislang vergeblich. Selbst 9/11, das die Assekuranz 40 Mrd. Dollar kostete, führte nicht zu einem strikteren Underwriting. Die Talfahrt bei den Raten kennt nur eine Richtung. Das Angebot an Rückversicherung übersteigt die Nachfrage bei weitem. Somit befinden sich die Rückversicherer in einer fundamentalen Sinnkrise. Wo keine Schäden sind, macht Versicherung keinen Sinn. Die US-Hurrikans könnten das ändern. (vwh/dg)
Bildquelle: Rainer Sturm / PIXELIO (www.pixelio.de)
Munich Re · AIG · Hurrikan
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