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Swiss Re erhält Geld von Japanern für Run-off-Tochter

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Lange hat Swiss Re nach einem Minderheitspartner für das Segment Policenabwicklung in Großbritannien gesucht und ist nun fündig geworden. Die japanische Versicherungsgruppe MS&AD wird bis zu 800 Mio. Pfund (rund 895 Mio. Euro) in dem Bereich für geschlossene Lebensversicherungsbestände ReAssure, der zur Swiss Re Life Capital gehört, investieren. Zunächst wird MS&AD fünf Prozent bzw. 175 Mio. Pfund erwerben.
Damit wird die Swiss-Re-Sparte ReAssure mit 3,5 Mrd. Pfund bewertet. In den kommenden drei Jahren werde die Beteiligung für insgesamt 800 Mio. Pfund auf maximal 15 Prozent ausgebaut. Der Vollzug wird im ersten Quartal 2018 erwartet.
Der japanische Investor bringt viel Geld mit,  damit kann Swiss Re mit seiner Tochter noch größere Policenbestände von Lebensversicherern abkaufen. Derzeit verkaufen viele Versicherungskonzerne ihr inzwischen weitestgehend eingestelltes Geschäft mit Lebensversicherungen mit teils hohen Garantiezinsen oder festen Zinsversprechen, da die Abwicklung dieser zu teuer und ineffizient ist.

Umkämpfter Run-off-Markt

In Deutschland gehören dazu die die Munich-Re-Tochter Ergo (siehe Bericht auf VWheute) sowie Generali (VWheute-Bericht). Die Käufer solcher Altbestände sind spezialisierte Gesellschaften wie die Frankfurter Leben oder Viridium, die dem Finanzinvestor Cinven und dem Rückversicherer Hannover Rück gehört. Viridium verwaltet knapp über eine Million Versicherungsverträge und ein Vermögen von rund 14,6 Mrd. Euro. Der Erwerb der Mannheimer-Verträge war die dritte Akquisition der Gruppe nach dem Kauf der Heidelberger und der Skandia Deutschland. Die Frankfurter Leben hat dagegen den LV-Bestand der Basler und der Arag erworben.
Eine aktuelle PwC-Studie schätzt das Volumen aller Run-off-Bestände in Europa auf 247 Mrd. Euro. 48 Prozent hiervon werden passiv verwaltet, 28 Prozent aktiv durch den bisherigen Besitzer, 24 Prozent sind extern vergeben. Solvency II, der Digitalisierungsschub sowie der Brexit drängen die Versicherer zur Bestandsabgabe. Neben der Frankfurter Neue Leben sowie Viridium mischen auch Darag, die Göttinger MyLife sowie Apollo-Tochter Athene im deutschen Run-off-Geschäft mit.

Verzweiflung bei Japans Versicherern

Für Japans Versicherer sind Investionen in den Run-off eine attraktive Gelegenheit, den stagnierenden Heimatmarkt zu umgehen. Dort entfallen bei insgesamt 30 Versicherungsgesellschaft etwa 92 Prozent des Gesamtmarktes auf drei Versicherer: MS&AD Insurance Group, Tokio Marine Group und Sompo Japan Nipponkoa Holdings. Um Gewinn zu erzielen, versuchen diese Schwergewichte in Europa und den USA durch Zukäufe Fuß zu fassen. Ihnen haftet der Ruf an, sie kauften meist im falschen Augenblick und zu überhöhten Preisen, wie der Erwerb der Amlin plc durch MS& AD zeigt. 5,3 Mrd. US-Dollar, das 2,4 fache des Buchwerts, war den Japanern die Lloyd’s Syndikatsgruppe wert. Voriges Jahr kaufte Nippons drittgrößter Versicherer Sompo für 6,3 Mrd. US-Dollar die amerikanische Endurance. Ebenfalls 2016 verleibte sich der Branchenprimus Tokio Marine & Nichido Fire Insurance‘s für 7,5 Mrd. US-Dollar die amerikanische HCC Insurance Holdings ein – die größte Auslandsakquise eines japanischen Versicherers. (vwh/dg)
Bildquelle: Fotolia
Swiss Re · Run-off · Swiss Re Gruppe
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