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Allianz verliert Partner und womöglich die Lizenz in Indien

Von David GorrTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Oliver Bäte will den digitalsten Versicherer der Welt formen. Der Prüfstein für Erfolg oder Misserfolg seiner Modernisierungsstrategie liegt in Indien, dort schafft er tausende Jobs. 2001 war die Allianz mit dem Partner Bajaj in den indischen Markt eingestiegen. Die Allianz wollte ihre Joint-Venture-Anteile aufstocken. Nun der Rückschlag: "Das Gemeinschaftsunternehmen wird aufgelöst", sagte ein Insider bei Bajaj Finserv der Wirtschaftswoche.
Derzeit hält die Allianz 26 Prozent an Bajaj Allianz, die Inder besitzen 74 Prozent. Nach einer Gesetzesänderung 2015 dürften die Münchner ihren Anteil auf 49 Prozent erhöhen. Doch die Partner können sich nicht auf die Bewertung des Unternehmens und damit des 23-Prozent-Pakets, das den Besitzer wechseln müsste, einigen. Die Allianz pocht laut Zeitungsbericht auf den zur Gründung im Jahr 2001 vereinbarten Preis für eine gegenseitige Kaufoption. Bajaj will dagegen den deutlich höheren Marktpreis durchsetzen.
Das Ende der Zusammenarbeit wäre für Oliver Bäte ein Rückschlag. Europas größter Versicherer würde damit seine Lizenz für das Geschäft auf dem wichtigen Wachstumsmarkt Indien. Schließlich verzeichnet Bajaj Allianz zweistellige Zuwächse bei den jährlichen Prämieneinnahmen und ist damit der erfolgreichste und profitabelste private Versicherer in Indien. Das Unternehmen bietet Lebens-, Kranken- und Sachversicherungen an. 2016 lagen die Prämieneinnahmen des Joint Ventures bei umgerechnet fast 800 Mio. Euro, ein Zuwachs um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Marktanteil liegt bei sieben Prozent.

Indien erschwert deutschen Playern den Marktzugang

Seit dem Jahr 2000 wurde der indische Markt allmählich liberalisiert, eine Reform im Jahr 2015 gestattet nun auch ausländischen Rückversicherern den Marktzutritt im Wege der Errichtung von Niederlassungen. Die wuchernde Bürokratie stellt neue Marktplayer jedoch vor große Herausforderungen. In Indien liegt die Pro-Kopf-Versicherungsprämie lediglich bei 55 US-Dollar. Das Land zählt derzeit 28 Nicht-Lebensversicherer und sowie 24 Lebensversicherer. In die Nicht-Lebensversicherer eingeschlossen sind vier staatliche Gesellschaften, der ebenfalls staatliche Ernte- und Exportkreditversicherer sowie fünf reine Krankenversicherer.
Während es im Bereich Nicht-Leben die privaten Anbieter nach der Reprivatisierung wieder auf einen 45-prozentigen Anteil hatten bringen können, schafften es die Privaten neben der nach wie vor staatlichen Life Insurance Corporation of India lediglich auf 27 Prozent. Ausländische Aktionäre dürfen nunmehr 49 Prozent an ihren indischen Töchtern halten (vormals bloß 26 Prozent), was sie zu nicht immer harmonisch verlaufenden Joint Ventures mit lokalen Gruppen zwingt. (dg/cpt)
Bild: Allianz-Chef Oliver Bäte (Quelle: Allianz)
Allianz · Indien · Oliver Bäte
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