Köpfe & Positionen

Provisionsverbot: Verbraucherschützer attackieren BVI

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Mit "Das Märchen von der Beratungslücke" dreht Dorothea Mohn, Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV), die Debatte um das Provisionsverbot ein Stück weiter. In ihrem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) weist sie eine Analyse des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) scharf zurück. Dieser hatte Zahlen zur Evaluation der Honorarberatung anders interpretiert.
Blickte man früher meist nach Finnland, wenn es um Bildungspolitik ging, so dreht sich in der heutige Diskussion zu Provisionsverbot und Honorarberatung im Finanzvertrieb fast ausschließlich um Großbritannien: 94 Prozent betrage die Beratungslücke, rechnete BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter ebenfalls in der FAZ vor. Besonders betroffen von der Umstellung von Provisions- auf Honorarberatung seien Kleinanleger, Kunden mit weniger als 100.000 Pfund Anlagevolumen bekämen überhaupt keinen Zugang mehr zur Honorarberatung.
"Solche Behauptungen sind exemplarisch für die Schamlosigkeit, mit der versucht wird, den notwendigen Systemwechsel in Deutschland weiter zu verhindern", schreibt Dorothea Mohn, Leiterin Team Finanzmarkt beim VZBV. Teile der deutschen Finanzindustrie stellten das britische Provisionsverbot verzerrt als Fehlschlag dar. Vielmehr zeige eine Evaluation der Financial Conduct Authority (FCA), der britischen Finanzaufsicht, aus dem Jahr 2015, dass "Beratungsqualität und Verbrauchervertrauen steigen", so Mohn.
"Dreiste Behauptung" des BVI
Dass der BVI auf eine so hohe Deckungslücke kommt, schreibt die VZBV-Vertreterin einer falschen Interpretation der Zahlen zu. Tatsächlich hätten sich in den vergangenen zwölf Monaten nur sechs Prozent der Briten in Finanzangelegenheiten beraten lassen. Die restlichen 96 Prozent der Befragten der FCA-Umfrage gaben an, keinen Beratungsbedarf zu haben.
Einen unzureichenden Zugang zu Finanzberatung für Anleger mit einem Budget von unter 100.000 Pfund sieht Mohn ebenfalls keinen Beleg in der FCA-Studie. 82 Prozent der befragten beratenden Finanzdienstleister gaben an, sie verlangten keine Mindestsumme in der Kapitalanlage. 62 Prozent der Briten, die eine Beratung in der kapitalgestützten Altersvorsorge in Anspruch nahmen, stünden weniger als 50.000 Pfund zur Verfügung, 30 Prozent könnten weniger als 10.000 Pfund anlegen. "Dreist" nennt Mohn die anderslautende Behauptung des BVI und kommt zu dem Schluss: "Für eine substantielle Beratungslücke in Großbritannien gibt es folglich keine tragbaren Belege." (vwh/de)
Bilder: Dorothea Mohn, VZBV, und Auszug aus der Evaluation der Financial Conduct Authority (Quelle: VZBV, FCA)
Honorarberatung · Provisionsverbot · vzbv
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