Schlaglicht

Karrieren: Kreative Macher stechen Silo-Denker aus

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Weniger Hierarchie, offene Arbeitszonen, kreatives Denken. Mit einem "New Way of Working" buhlen die Versicherer um kluge Köpfe und junge Talente. In Konkurrenz mit Innovationsstätten wie BMW oder Google sind die Firmen allerdings selten erste Wahl. Axa-Vorstandchef Alexander Vollert führt das auf Imageprobleme zurück. Doch auch starre Karrierewege sind den High Potentials ein Dorn im Auge.
Wenn man die Viten der heutigen Führungskräfte betrachtet und die Manager selbst nach ihrer Motivation zum Einstieg in die Versicherungswirtschaft befragt, fällt vielfach die Antwort "zufällig". Das überrascht, kommt aber keinesfalls von ungefähr. Versicherer und ihre Produkte wecken nach außen kaum Emotionen, halten sich naturgemäß im Hintergrund – zumindest im War of Talents ein klarer Wettbewerbsnachteil.
"Wir wissen, dass wir unter dem Image unserer Branche leiden, da sich das Image eines Produkts natürlich in gewisser Weise auf die Arbeitgebermarke überträgt: Das Thema Versicherung ist emotional selten positiv besetzt", erklärt Vollert. "Der Automobil- und Technologie-Branche geht es da anders. Wenn Menschen von Autos oder Smartphones sprechen, geraten einige regelrecht ins Schwärmen. Da nehme ich mich nicht aus. Jetzt sind wir mal ehrlich. Beim Thema Versicherung habe ich das so noch nicht erlebt. Warum eigentlich?"
Bemerkenswert ist wiederum die Tatsache, dass die meisten Einsteiger von positivem Spirit sprechen, wenn sie das Innenleben der Powerhouses erst einmal hautnah miterlebt haben. Auch das kommt nicht von ungefähr. Sicherheit, eine ausgewogene Work-Life-Balance, attraktive Vergütungsmodelle, aufgrund von umbrechenden Märkten aber auch mehr Räume für Kreativität – mit diesen Vorzügen wollen die Versicherer punkten.

Infragestellung von Grundregeln

Moritz von Campenhausen und Dominik Schrader vom Headhunter Egon Zehnder bewerten bestimmte Entwicklungen um das Recruiting von geeignetem Branchennachwuchs kritisch. Zu häufig würden Laufbahnen in Silos verlaufen, weniger bereichsübergreifend. "Beginn in einer Sparte oder einer Stabsfunktion, danach gerne eine Station im Vertrieb, bevor man mit Übernahme der ersten Führungsverantwortung die Weichen stellt", erklären die Experten.
Eine weitreichende Infragestellung von Grundregeln des bisherigen Geschäftsmodells trifft die Versicherer mit voller Wucht. Alleine durch die Digitalisierung sind Kunden besser informiert und verfügen jederzeit über Vergleichsmöglichkeiten. Sowohl der Markt als auch die Bedürfnisse und Ansprüche der potenziellen Mitarbeiter nehmen neue Formen an. Wie also reagieren?
In der deutschen Axa-Zentrale wolle man jungen Menschen verstärkt vermitteln, wie man arbeite, wie die Versicherung der Zukunft aussehen könne und welche Vielfalt an Themen im Fokus stehe. "Ich würde für Axa fast schon sagen, dass wir Neues lieben. Wir verstehen uns als lernende Organisation und wir sind davon überzeugt, dass Lernen für uns als Organisation und als Individuum auch nicht mehr aufhören wird", berichtet Vollert. "Man arbeitet an unterschiedlichsten Themen und mit Menschen unterschiedlichster Disziplinen, oft auch in einem internationalen Umfeld. Vom Mathematiker, Informatiker, Medienmanager bis hin zum Physiker ist alles dabei. Wir legen Wert darauf, Kernkompetenzen unterschiedlicher Bereiche zu bündeln, um gemeinsam das beste Ergebnis für unsere Kunden zu erzielen."
Die Versicherungsbranche als Spielarena für "Über-den-Tellerrand-Denker" und Kreative, die den Blick für das große Ganze haben? Möglich ist es. (mst)
Bild: Alexander Vollert, Vorstandschef Axa Deutschland, (Quelle: Axa)
Axa · Karriere · Alexander Vollert
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