Unternehmen & Management

Grobe Regelverstöße: Ergo deckt Compliance-Fall in Russland auf

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Bei der Ergo soll es zu massiven Regelverstößen gekommen sein. Nach Konzernangaben werden mögliche Untreue- und Betrugsvorwürfe beim Tochterunternehmen in Russland untersucht. Nach Medieninformationen wurde mittels Hehlerei von Autos und Tagesversicherungsbetrügereien ein Millionen- und Imageschaden verursacht.
Eine Nachfrage bei der Ergo ergab, dass das Unternehmen bereits seit dem Jahr 2016 mit "internen und externen Ermittlern" zusammenarbeitet, um den vermeintlichen Verbrechern auf die Spur zu kommen. Ein Artikel der Frankfurter Allgemeine habe das Unternehmen dazu veranlasst, den Sachverhalt an die Öffentlichkeit zu bringen. Zu genauen Sachverhalten wollte sich das Unternehmen nicht äußern, um den Ermittlungen nicht zuwider zu handeln. In einer kurzen Pressemitteilung schreibt die Ergo, dass wegen des strengen eigenen Compliance-System "der Regelverstoß in Russland intern aufgedeckt worden" sei. Die Informationen der Frankfurter Allgemeine dementierte der Versicherer nicht.
Das Frankfurter Blatt hatte gemeldet, das mehrere Mitarbeiter mit Tagesversicherungen und dem Verkauf gestohlener und wiederaufgefundenen Autos einen Schaden in "niedriger Millionenhöhe" verursachten. Mehrere für die Ergo Rus tätige Manager seien freigestellt worden, bis die Compliance-Verstösse geklärt sind.

Die Betrugs-Details

Bei der Gaunerei wurden zum einen Tagesversicherungen genutzt. Diese werden in Russland beispielsweise benötigt, wenn in die Ukraine gefahren werden möchte. Ähnlich wie bei Vignetten können diese Versicherungen an Tankstellen für einen Preis von etwa 35 Euro gekauft werden. Die vermeintlichen Betrüger bei der Ergo sollen Mittelsmännern für den Verkauf dieser Papiere erhöhte Provisionen gezahlt und den Gewinn im Anschluss brüderlich geteilt haben. Der Schaden soll höher gewesen sein, als beim Autobetrug.
Bei diesem gingen die Verdächtigen sehr simpel vor. Sie verkauften die Autos, die als gestohlen gemeldet aber wieder aufgefunden wurden auf dem Gebrauchtwagenmarkt und strichen die Gewinne ein. Die Staatsanwaltschaft in St. Petersburg beendete das Spiel mit Razzien in der Stadt und leitete gegen Mitarbeiter Ermittlungsverfahren ein. (vwh/mv)
Bild: St. Petersburg (Quelle: Christoph Boltendahl / PIXELIO / www.pixelio.de)
Russland · Ergo · Compliance
Auch interessant
Zurück
12.02.2019VWheute
Doswi­da­niya – Ergo zieht sich aus Russ­land­ge­schäft zurück Die Ergo ist nicht russlandfest. Nachdem sich der Mutterkonzern bereits im Jahr 2015 …
Doswi­da­niya – Ergo zieht sich aus Russ­land­ge­schäft zurück
Die Ergo ist nicht russlandfest. Nachdem sich der Mutterkonzern bereits im Jahr 2015 aus dem Land verabschiedete, verkauft jetzt die Ergo International AG sein Nicht-Leben-Geschäft. Die Ergo ist praktisch raus aus …
22.11.2018VWheute
Warum Austra­lien, Russ­land und die Türkei für Versi­cherer beson­ders schwierig sind Internationale Versicherungsprogramme gelten aufgrund einer …
Warum Austra­lien, Russ­land und die Türkei für Versi­cherer beson­ders schwierig sind
Internationale Versicherungsprogramme gelten aufgrund einer Vielzahl zu berücksichtigender Aufsichtsregeln, Gesetze und Verordnungen als komplex. Noch schwieriger wird es, wenn wirtschaftliche …
16.10.2018VWheute
Ergo verkauft Toch­ter­ge­sell­schaft in Russ­land Die Ergo verkauft ihre russische Tochtergesellschaft Ergo Russia Life an Rosgosstrakh. Der …
Ergo verkauft Toch­ter­ge­sell­schaft in Russ­land
Die Ergo verkauft ihre russische Tochtergesellschaft Ergo Russia Life an Rosgosstrakh. Der russische Versicherungskonzern übernimmt Unternehmensanaben zufolge 100 Prozent der Anteile an Ergo Life und damit das gesamte Unternehmen…
18.06.2018VWheute
Wie deut­sche Versi­cherer sich in Russ­land behaupten "Wir verstehen die Struktur nicht, das Land ist zu groß und wir sind dafür nicht ausgerüstet." …
Wie deut­sche Versi­cherer sich in Russ­land behaupten
"Wir verstehen die Struktur nicht, das Land ist zu groß und wir sind dafür nicht ausgerüstet." Das sagte der ehemalige VIG-Vorstandsvorsitzende Peter Hagen als der österreichische Versicherer sich aus dem Versicherungsmarkt …
Weiter