Politik & Regulierung

Rechtsruck verunsichert den Geldadel

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Rechte Kräfte werden vielerorts stärker, was die Chefs großer Investmentfonds beunruhigt. Die Wahlergebnisse würden eine zunehmende Unsicherheit großer Teile der Bevölkerung gegenüber der Globalisierung und ökonomischer Entwicklungen zeigen, bemerkt Thierry Bogaty, Investmentmanager bei Amundi. Laut FAZ denkt man dort darüber nach, "in welchem Umfang Unternehmen eine politische Verantwortung wahrnehmen sollten".
Die Finanzinstitute müssten sich laut Bogathy als "verantwortungsbewusste Staatsbürger" zeigen. Der Vermögensverwalter wolle "in den nächsten Monaten" darüber diskutieren, in wie weit "Aspekte der politischen Verantwortung" in eine nachhaltige Anlage integriert werden können.
Bei aller Anerkennung für die neugewonnene Gesinnung bei Amundi, es muss die Frage erlaubt sein: Warum erst jetzt? Das sich eine größer werdende Gruppe von Menschen bei der Globalisierung die Frage nach Sinn und Nutzen stellt, ist so neu nicht. Ein Blick auf die Wahlen oder politische Situation in Österreich, Frankreich, USA, Ungarn, Niederlande, Deutschland und vieler anderer Länder macht das deutlich.

Deutschland fremdelt mit Nachhaltigkeit

Bogathy sieht zwischen ethischen und finanzwirtschaftlichen Kriterien keinen Widerspruch. Wirtschaftlich erfolgreich würden Unternehmen agieren, die auch ihrer "gesellschaftlichen Verantwortung" nachkämen, gute Führung vorausgesetzt. Das scheint keine deutsche Ansicht zu sein, denn die Nutzung nachhaltiger Kapitalanlagen ist hierzulande unter Investoren weniger ausgeprägt als etwa in Frankreich, den Niederlanden oder Großbritannien.
Hierzulande werde der Studie zufolge kaum über das regulierte Mindestmaß hinausgegangen. Die Vereinten Nationen haben zur Verbreitung neuer Standards die Organisation "Principles for Responsible Investment" (PRI) ins Leben gerufen, die Nachhaltigkeitsstandards entwickelt, diese sind jedoch nicht bindend.
Auch die EU scheint zunehmend einen Zusammenhang zwischen Moral und Investments zu entdecken. Zuletzt kamen Stimmen auf, die von Investmentinstituten mehr Nachhaltigkeit forderten. Die Aufsichtsbehörden sollten für die Durchsetzung mit mehr Macht ausgestattet werden, VWheute berichtete.
Dass die Menschen sich wegen mehr Nachhaltigkeit bei der Geldanlage von den nationalen Kräften ab- und den proeuropäischen zuwenden, darf bezweifelt werden. Ein erster Schritt in ein größeres Vertrauen gegenüber den Finanzinstituten wäre es wohl allemal. (vwh/mv)
Bildquelle: Markus Kräft / PIXELIO / www.pixelio.de
Wahl · Amundi · Rechtsdruck
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