Märkte & Vertrieb

BVK warnt Lebensversicherer vor Scheinheiligkeit

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Gewohnt scharf kommentierte der Präsident des Bundesverbandes der Versicherungskaufleute (BVK), Michael H. Heinz, während eines Pressegesprächs in Berlin aktuelle Themen des Versicherungsvertriebs. Schwere Vorwürfe machte er dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). "Ich bin vom GDV maßlos enttäuscht", ließ BVK-Präsident Heinz seinem Ärger freien Lauf.
Die Kritik bezog sich auf die Haltung des Verbandes bei der Frage, ob Vergleichsportale Kunden genauso beraten müssen wie der stationäre Vertrieb. Bei der IDD-Umsetzung spielte dieses Thema eine große Rolle. Dass der GDV in der Frage einen Rückzieher gemacht und damit in Kauf genommen habe, dass weiter ungerechtfertigt zwischen Online- und stationärem Vertrieb unterschiede werde, hält er für nicht hinnehmbar. Die Begründung, man zerstöre damit die digitale Zukunft, hält er für eine "absolute Nullnummer".

Check24 bleibt unter Beobachtung

Der BVK hatte zudem in einem langwierigen Rechtsstreit mit Check24 – Heinz bezeichnet dieses und andere Vergleichsportale als "Verkaufsmaschinen" – am 6. April 2017 vor dem Oberlandesgericht München auf der ganzen Linie gewonnen. Jetzt sei man dabei zu prüfen, ob die Änderungen, die Check24 im Ergebnis des Urteils vornimmt, ausreichen. Die Tatsache, dass das Vergleichsportal jetzt zwar aktiv per Mail über seinen Status als Versicherungsmakler informiere, der Kunde diese Information aber nicht am Anfang seiner Aktivitäten auf dem Portal bekomme, sei bedenklich, ergänzte Anwalt und BVK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Eichele. Das Urteil und die Urteilsbegründung, die erst Anfang September veröffentlich wurde, gilt für alle Makler und Vertriebswege.

BVK hat bei IDD für Vermittler und Verbraucher gekämpft

Stolz ist man laut Heinz auch darauf, dass man bei der IDD-Umsetzung in zähem Kampf und mit zum Teil spektakulären Aktionen erreicht habe, dass nicht nur die Beratungspflicht für alle durchgesetzt wurde, sondern die Provisions- und Courtagevergütung Leitsystem im Versicherungsvertrieb bleibt und das Thema Aufhebung des Provisionsabgabeverbotes vom Tisch sei. "Politik ist lernfähig", so sein Kompliment in Richtung Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Man habe für Vermittler und Verbraucher gleichermaßen gekämpft.

Nur 60 Prozent der Abschlusskosten bleiben beim Vermittler

Beim Thema Lebensversicherungs-Reformgesetz (LVRG) wird Heinz sehr deutlich. "Ich warne die Lebensversicherer, dass sie wie die Krankenversicherer scheinheilig zum Gesetzgeber laufen und behaupten, sie würden die Kosten nicht in den Griff bekommen. Wir als BKV werden dafür sorgen, dass die Politiker mit Zahlen versorgt werden, die belegen, wo die Kostenfalle ist: Nicht im Vertrieb, sondern bei den Versicherern. Sonst gehen wir wieder auf die Straße."
Hintergrund sind verschiedene Studien, unter anderem die des Arbeitskreises Vertretervereinigung der Deutschen Assekuranz (AVV) vom Oktober 2016, die verdeutlicht, dass das LVRG im Vertrieb wirkt. Bei Einzelverträgen verbleiben demnach nur 60 Prozent der Abschlusskosten beim Vermittler, neue Vertreter bekommen deutlich niedrigere Provisionssätze als langjährig tätige. Durch die Einbehaltung der Stornoreserve sinken die Kosten weiter.

Vertrieb hat bei Kosten Hausaufgaben gemacht

Wie BVK-Vize Ulrich Zander erklärte, hätten die Vermittler ihre Hausaufgaben gemacht, nicht aber die Versicherer. Denn hier sind die Kosten nicht gesunken, sondern im Gegenteil etwa die Verwaltungskosten gestiegen. "Wir müssen aufpassen, dass das nicht wieder den Vermittlern auf die Füße fällt, wenn der Gesetzgeber merkt, dass die Maßnahmen nicht wie erhofft greifen", warnte er eindringlich. (epo)
Bild: BVK-Präsident Michael H. Heinz (Quelle: BVK)
Bundesverband der Versicherungskaufleute · BVK · Michael H. Heinz
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