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Übergewicht bedroht Menschen und Systeme

Von Maximilian VolzTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Im vergangenen Jahr war falsche Ernährung an jedem fünften Todesfall mitursächlich. Das zeigt die größte weltweite Ernährungsstudie. VWheute hat zum Start der weltgrößten Ernährungsmesse Anuga in Köln Annabritta Biederbick, Hauptabteilungsleiterin Krankenversicherung der Debeka, als größten Krankenversicherer zu den Folgen von Adipositas befragt.
Fehlerhaftes Essverhalten kann Übergewicht, einen hohen Blutzuckerspiegel, Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte verursachen. Das sind vier der zehn häufigsten Todesursachen weltweit, wie die Fachzeitschrift The Lancet mit ihrer Gesundheitsstudie zeigt. Die Gründe für das Übergewicht sind mannigfaltig, wie diese Statista-Grafik für Deutschland zeigt.

Auswirkungen auf die PKV

Welche Auswirkungen Übergewicht auf die private Krankenversicherung hat und was dagegen getan werden kann, weiß am ehesten ein Experte wie Deutschlands größter privater Krankenversicherer Debeka. Ein Versicherer befindet sich bei der Frage nach Hilfe für stark übergewichtige Menschen in der Bredouille. Der Drang zu helfen muss gegen die Bedürfnisse der Versichertengemeinschaft abgewogen werden.
Biederbick erklärt: "Ist hier die Versichertengemeinschaft gefordert oder jeder einzelne selbst? Bei Ernährungsberatungen handelt es sich grundsätzlich nicht um medizinisch notwendige Heilbehandlungen." Aber natürlich will die Debeka einerseits helfen und ist andererseits ein Rechenfuchs. Jeder heute für vorbeugende Maßnahmen gesparte Taler kann morgen bei den Kosten für Folgeerkrankungen doppelt anfallen. Die Lösung ist oftmals eine Mischung aus angepassten Tarifen und vorbeugenden Maßnahmen.
"Die neueren Unisex-Tarife sehen eine Kostenbeteiligung im tariflichen Umfang an Ernährungskursen aus dem Bereich der Prävention vor. Wir beteiligen uns außerdem in Einzelfällen auf freiwilliger Basis an Programmen zur Gewichtsreduktion, die der Internationalen Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas entsprechen", erklärt Biederbick.

Enorme Kosten, kaum bezifferbar

Die Debeka kann nicht beziffern, wie hoch die Kosten durch Übergewicht die Gemeinschaft belasten: "Schätzungen sind hier nur sehr schwer zu treffen. Denn die Kosten entstehen in erster Linie nicht durch die Diagnose ,Übergewicht‘, sondern insbesondere durch die Begleit- und Folgeerkrankungen, [...] eine verlässliche Aussage zu den Kosten, die durch Übergewicht entstehen, sind unsererseits nicht möglich."
Fakt ist, dass durch Übergewicht Kosten entstehen und diese von der Gemeinschaft getragen werden müsse. Die Beiträge würden bei mehr Normalgewichtigen für alle sinken, wie Biederbick bestätigt: "Da hohe Übergewichtigkeit verschiedenste Folgeerkrankungen auslösen kann, wären die Beiträge vermutlich niedriger." Doch auch an dieser Stelle ist eine genaue Zahl nicht zu nennen.

Ein bereits verlorener Kampf?

Adipositas ist ein Problem fast aller Überflussgesellschaften. Zu lösen ist nur auf der individuellen Ebene, also jeder für sich. Einzelne Institutionen haben nur einen begrenzten Einfluss auf das Individuum. Das weiß auch die Debeka, die "keine Möglichkeiten hat, auf das Verhalten der Versicherten Einfluss zu nehmen." Steht also in den Industrienationen ein langer und fruchtloser Kampf gegen Adipositas bevor?
Biederbick glaubt nicht an eine schnelle Lösung des Problems: "Die aktuellen Entwicklungen weisen nicht darauf hin, dass wir in den nächsten Jahren mit einer Verbesserung rechnen können. Die Ursachen sind vielfältig und bei jedem Betroffenen individuell zu betrachten. Sicherlich spielen Faktoren aus dem Lebensstil wie Bewegungsmangel und falsche Ernährungsweise eine große Rolle."
Es kommt auf den Einzelnen an: "Es gilt, die Ursachen zu erforschen und entsprechend auf die individuelle Situation abgestimmte Maßnahmen gemeinsam mit dem Betroffenen zu erarbeiten. Für die erfolgreiche Umsetzung ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Therapeuten notwendig. Der Betroffene muss langfristig betreut werden, um eine nachhaltige Änderung der Lebensumstände zu erreichen."
Fangen sie am besten gleich damit an und gehen sie nach der Lektüre aller heutigen VWheute-Artikel eine Runde laufen. (vwh/mv)
Bild und Quelle: Anuga-Messe
PKV · Debeka · Krankenkassen · GKV
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