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Entwicklungsland bei Cyberversicherungen

Von VW-RedaktionTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
Ist der Mittelstand ausreichend gegen Cyberrisiken versichert? Dirk Kalinowski, Produktmanager bei der Axa Versicherung AG betont, dass es hierzu bis jetzt kein offizielles Zahlenmaterial gibt. Doch muss die Frage wohl eher mit Nein beantwortet werden. Offizielle Erhebungen des Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) lassen vermuten, dass das Problem von vielen Unternehmen ziemlich unterschätzt wird.
Bei der Entwicklung der relativ neuen Produkts Cyberversicherung ist daher noch viel "Luft nach oben“." Der Einfluss der Versicherungswirtschaft ist dort bisher verhältnismäßig gering. "Speziell die Produktionsbetriebe zeigen sich noch wenig affin gegenüber Cyberversicherungen", berichtete Kalinowski anlässlich der 3. Konferenz für Finanztechnologie (Fintech) in Frankfurt am Main. Nach einer aktuellen Studie arbeiten weltweit bereits 45 Prozent aller Finanzdienstleister mit Fintech-Unternehmen zusammen.
Nicht selten beherrschen junge Startup-Unternehmen das Bild in dieser Branche. So sind neue Kontakte und der Erfahrungsaustausch mit den Finanzdienstleistern ein wichtiges Anliegen der Konferenz. Ein Veranstaltungssegment galt dabei unter anderem dem nicht nur für die Fachwelt, sondern auch für den Verbraucher interessanten Aspekt der Cybersecurity. Zu diesem Thema gaben neben Kalinowski auch BSI-Abteilungsleiter Dirk Häger und der beim Münchener Spezialversicherer Hiscox Europe Underwriting Ltd für Sales & Development zuständige Patrick Klawitter zahlreiche Denkanstöße für die anwesenden Finanzmanager, Banker und Unternehmer.
Auf dem Gebiet der Cybersecurity ist Deutschland derzeit noch Entwicklungsland. Klawitter betonte, dass in den USA heute nahezu jedes Unternehmen eine entsprechende Versicherung besitze. "Ob die US-Firmen einfach nur ängstlicher sind als hierzulande und die hiesigen Gefahren durch Cyberattacken geringer, da möge sich Jeder sein eigenes Urteil bilden", so der Experte. Jedenfalls sei die Cyberversicherung in Deutschland nach wie vor eher ein "Exot".

Über Tausend Vorfälle in fünf Jahren

Seine Gesellschaft habe seit 2012 ganze 1.500 Cybervorfälle bearbeitet. Dass sich das Risikobewusstsein aber sehr bald ändern wird, da zeigten sich nicht nur Kalinowski und Klawitter überzeugt. "Die permanente 'Connektivität' aller mit allen und überall öffnet immer neuen Formen von Cyberattacken Tor und Tür", stellte Häger fest. Auch wenn das einzelne Opfer natürlich schwer betroffen wäre, so seien Cyberangriffe auf komplexe Systeme das weitaus größere Problem. Jüngstes prominentes Beispiel: Die stundenlange Lahmlegung der Anzeigetafeln in deutschen Bahnhöfen. Besonders sensible Ziele lägen vor allem in der Energie- und Wasserversorgung.
Letztlich, so Kalinowski, könnten künftig auch Haftungsfragen bei Cyberangriffen eine Rolle spielen und den Trend zur Cyberversicherung verstärken, wenn durch den Vorfall dritte Personen geschädigt würden. "Noch aber ist dies eher ein Imageschaden für das betroffene Unternehmen, wenn der CEO gegenüber Kunden oder der breiten Öffentlichkeit Schwachstellen bei der IT einräumen muss." Grundsätzlich sei das Thema so komplex, dass die Betriebe einer qualifizierten Beratung bedürften. Denn nicht immer sei klar, „wofür die Cyberversicherung stehe und wofür nicht“. Eines wurde deutlich: Diese Form der Versicherung ist in der Lage, Risiken und Lücken abzudecken, für die die klassischen Versicherungen den Unternehmen bisher keine Sicherheit bieten konnten. (mvb)
Bildquelle: mvb
Cyberversicherungen
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