Köpfe & Positionen

Blockchain wird die Branche radikal verändern

Von Alexander KasparTagesaktuelle Informationen und Neuigkeiten aus der Versicherungsbranche. Alle Nachrichten des Tagesreports auch als Newsletter abonnierbar.
"Crazy stuff from techie guys?" Nein das ist Blockchain ganz und gar nicht, glaubt Alan Cabello von der AGCS. Aber: Nur ein Prozent der Bevölkerug kann mit diesem Begriff etwas anfangen, und das sind nicht nur Experten aus der Versicherungsindustrie. Das Thema drängt mit Macht in die operativen Einheiten, Zeit für Aufklärung und Erläuterungen.
Keine Frage, es herrscht Aufklärungsbedarf, wie bei den spontan durchgeführten Umfragen vor Ort deutlich wurde, betonte der Experte auf dem diesjährigen GVNW Symposium in München . 2008 für die Internetwährung Bitcoin als Application eingeführt, entwickelt das Thema Blockchain kaum zehn Jahre später revolutionäre Kraft.
AIG experimentiert zur Zeit mit IBM, Lloyd's of London ist mit seinen 199 Syndicaten da schon einen Schritt weiter und setzt Blockchain konsequent in die Tat um. Dabei sind lediglich fünf Prozent überhaupt neue Technologie, die restlichen 95 Prozent waren bekannt und werden heute lediglich neu aufgesetzt. Ein schnelle Umsetzung ist also eigentlich kein Problem.
Unbekannt sind allerdings die Einsparpotenziale, wie der zu erwartende Verlust von Arbeitsplätzen. Dabei ist die als "Game-Changer" apostrophierte Anwendung nichts weiter als "WhatsApp" für Industrieunternehmen und somit ein Transaktionsmedium für Informationen bei der Systeme und Module ineinander greifen.
Sie wird jedoch, darin sind sich alle Experten einig, die Kommunikation in den Gruppen verändern, sie wird auch die Beziehungen in der Wertschöpfungskette verändern und sie wird die zentrale Datenbank abschaffen, denn De-Zentralisierung soll mehr Sicherheit schaffen, was allerdings noch zu beweisen wäre.
Blockchain erfordert zudem eine neue Legacy, neue Infrastrukturen und schließlich neue Mentalitäten. Wer hier nicht mitzieht, so die Lesart, wird in wenigen Jahren überhaupt kein Geschäft mehr machen. Das sind keine wirklich guten Nachrichten für eine Branche, die sich bislang über Stabilität und Verlässlichkeit definierte.
Abgeschafft wird die Versicherungsindustrie darüber nicht, ist sich Carsten Krieglstein von der Allianz Global Corporate & Specialty SE sicher, aber sie wird sie radikal verändern, wie er im Interview mit VWheuteTV bekundet.
Den Blick aus der Zukunft in die Gegenwart richtet der Industrie-Versicherungsmakler Marsh. Im Gespräch mit dem Tagesreport hat Thomas Olaynig, Dep. Chief Market Officer und Mitglied des Management Board höchst unterschiedliche Trends in der Branche identifiziert: In der Haftpflicht präsentiert sich der Markt sehr kundenfreundlich, er profitiert hier von hohen Kapazitäten.
Das Segment Sachversicherung steht allerdings unter starkem Druck, gemeint sind hier vor allen Dingen die Sparten Holz, Fleischverarbeitung und Recycling. Mit Blick auf die derzeit wütenden Hurricanes in der Karibik und in den USA rechnet man bei Marsh, abhängig von der versicherten Schäden, evtl. mit einer neuen Dynamik im Markt.
Beim Thema Digitalisierung gibt es auch in der Industrieversicherung noch Defizite, wie eine für November angekündigte Studie von Marsh erkannt haben will. Woran es hier hapert und wie sich die Märkte ganz konkert präsentieren erörtert Olaynig hier im Video-Interview:
(vwh/ak)
Bild: Erst langsam kristallisieren sich die Potenziale der Blockchain-Anwendungen heraus, wie auf dem GVNW Symposium deutlich wurde. (Quelle: Alexander Kaspar)
Industrieversicherung · Blockchain
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